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	<title>Mark. Alder &#187; Wissenschaft</title>
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	<description>Reden - und über&#039;s Reden reden</description>
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		<title>Mark. Alder</title>
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	<itunes:author>Mark. Alder</itunes:author>
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		<title>Von der Füllfeder zur Computermaus</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Apr 2013 18:55:23 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Information wurde im Laufe der Menschheitsgeschichte unterschiedlich transportiert. In grauer Vorzeit war alle Information mündlich. Der Mensch lebte im akustischen Raum. Mit der Erfindung der Schrift, mit dem Federkiel, änderte sich das. Die Welt wurde visuell und Wissen war plötzlich auch dem Auge zugänglich. Man konnte Information ausserhalb des Kopfes aufbewahren. In dieser Zeit existierten [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/04/Maus-und-Feder.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-626" title="Maus und Feder" alt="" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/04/Maus-und-Feder-300x298.jpg" width="300" height="298" /></a>Information wurde im Laufe der Menschheitsgeschichte unterschiedlich transportiert. In grauer Vorzeit war alle Information mündlich. Der Mensch lebte im akustischen Raum.</p>
<p>Mit der Erfindung der Schrift, mit dem Federkiel, änderte sich das. Die Welt wurde visuell und Wissen war plötzlich auch dem Auge zugänglich. Man konnte Information ausserhalb des Kopfes aufbewahren. In dieser Zeit existierten jedoch die mündliche und die schriftliche Übermittlung von Information parallel nebeneinander.</p>
<p>Die Füllfeder wurde abgelöst durch den Buchdruck, welcher die Visualisierung verschärfte. Während der sogenannten <a href="http://blog.markdot.com/gutenberg-klammer-und-copyright/">Gutenberg-Klammer</a>, also nach Erfindung des Buchdruckes, wurde dann die orale Übermittlung von Wissen im grossen Stil von der visuellen abgelöst. Information war nun primär schriftlich.</p>
<p>Schrift aber ist zuerst einmal seriell. Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, Seite für Seite, ja Buch für Buch eignen wir uns das Wissen an. Wissen wird einer Schnur gleich erworben, auf die Perle um Perle aufgefädelt wird.</p>
<p>Gedruckte Schrift ist auch universell. Alle lesen dasselbe. Und Wissen wird durch den Buchdruck zunehmend als Produkt wahrgenommen. Wissen ist nicht mehr ein Prozess, ein Fluss, etwas, das sich fortlaufend weiter entwickelt. Wissen wird in dieser Zeit zu etwas, das man besitzt, etwas, das einem gehört.</p>
<p>Mit der Einführung des Computers verändert sich das wieder. Wissen ist nicht mehr seriell. Hypertext verhindert, dass ein Text von vorne bis hinten durchgelesen wird. Wir nehmen Information springend auf, wir hüpfen von Happen zu Happen. Wissen wird wieder zu einem <a href="http://blog.markdot.com/versionen-nicht-originale/%20http://blog.markdot.com/gutenberg-klammer-und-copyright/">Prozess</a>, ist nicht mehr Produkt. Damit erklären sich auch die gegenwärtigen Probleme mit dem Copyright im Internet (mehr dazu <a href="http://blog.markdot.com/gutenberg-klammer-und-copyright/">hier</a>).</p>
<p>Wissen ist auch nicht mehr universell. Jeder erschliesst sich das Wissen in einer anderen Reihenfolge, mit anderen Prioritäten und Gewichtungen. Wir sind also wieder im ursprünglichen akustischen Raum, den wir uns jetzt aber visuell erschliessen. Die Spirale hat sich einmal gedreht, wir sind eine Runde weiter gekommen. Von der Füllfeder zur Computermaus.</p>
<p>Spannend ist, dass die Wissenschaft, das Schulsystem und unser Denken noch im Füllfederzeitalter stecken. Es bleibt also spannend!</p>
<p style="text-align: center;">Die Bücher liest man linear.<br />
Doch Hypertext und Internet,<br />
Die sind, und das ist wunderbar,<br />
Vernetzt, verzahnt, verlinkt komplett!</p>
<p style="text-align: right;">13/52</p>
 <p><a href="http://blog.markdot.com/?flattrss_redirect&amp;id=625&amp;md5=73294d49359c1e453de80c5e68dc8ad1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.markdot.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Die &#8218;wahre&#8216; Bedeutung des Higgs Bosons</title>
		<link>http://blog.markdot.com/die-wahre-bedeutung-des-higgs-bosons/</link>
		<comments>http://blog.markdot.com/die-wahre-bedeutung-des-higgs-bosons/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 23 Jun 2012 10:29:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[markdot]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Idee]]></category>
		<category><![CDATA[Wirklichkeit?!]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Quantenphysik]]></category>
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		<description><![CDATA[Richtig oder falsch, wahr oder gelogen, schön oder hässlich &#8211; vielen Leuten fällt es leicht, zu urteilen: weisse Socken sind hässlich, dass jetzt Winter ist, ist falsch und im Straßenverkehr kreuzt man sich richtigerweise rechts. Allerdings passen weisse Socken beim Tennis, ist es in Australien jetzt Winter und Autos kreuzen sich ebendort links. Vermeintliche Gewissheiten [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.philippkeusen.com/?p=1178"><img class="alignleft  wp-image-846" title="TauTropfen" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/06/TauTropfen-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Richtig oder falsch, wahr oder gelogen, schön oder hässlich &#8211; vielen Leuten fällt es leicht, zu urteilen: weisse Socken sind hässlich, dass jetzt Winter ist, ist falsch und im Straßenverkehr kreuzt man sich richtigerweise rechts. Allerdings passen weisse Socken beim Tennis, ist es in Australien jetzt Winter und Autos kreuzen sich ebendort links. Vermeintliche Gewissheiten werden also je nach Kontext plötzlich ins Gegenteil verkehrt. Was richtig, wahr oder schön etc. ist, kann nicht absolut formuliert werden, sondern immer nur in Abhängigkeit vom Kontext. Entsprechend handelt es sich um blosse Konventionen. Und Konventionen kann man anpassen.</p>
<p>Die genannten Beispiele sind natürlich vergleichsweise trivial. Wie aber sieht es mit den grossen Wahrheiten aus, mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Life,_the_Universe_and_Everything" target="_blank">life, the universe and everything</a>? Wenn der Sinn des Lebens klar definierbar wäre, bräuchte es weder verschiedene Religionen noch würde deswegen Krieg ausbrechen. Wenn die Vergangenheit und die Zukunft des Universums zweifellos bekannt wären, bräuchte es weder Physiker noch physikalische Theorien.</p>
<p>Es gibt aber keine absoluten Werte, alles ist verhandelbar, dynamisch und einem stetigen Wechsel unterworfen. Alles ist abhängig vom Kontext, auch unsere eigene Meinung. Mehr als Konventionen gibt es nicht. Wäre das anders, dann wäre das Leben sehr langweilig.</p>
<p>Das ist schwer zu akzeptieren, denn wir wollen Gewissheit und streben nach der letzten Wahrheit: In der Religion nach einem allwissenden Gott und in der Physik nach einer letzten Formel, die alle Theorien zusammen bringt &#8211; oder wenigstens nach dem <a href="http://www.zeit.de/2008/37/P-Peter-Higgs" target="_blank">Higgs-Boson</a>.</p>
<p>Nach diesem winzigen Teilchen wurde im milliardenteuren, hochkomplexen Teilchenbeschleuniger am <a href="http://public.web.cern.ch/public/" target="_blank">CERN</a> in Genf <a href="https://www.google.ch/search?sugexp=chrome,mod%3D6&amp;sourceid=chrome&amp;ie=UTF-8&amp;q=higgs+boson&amp;sesinv=1#q=higgs+boson&amp;hl=de&amp;prmd=imvnsu&amp;source=lnms&amp;tbm=nws&amp;sa=X&amp;ei=yh7zT6qnLojltQazpJm-CQ&amp;ved=0CFIQ_AUoBA&amp;bav=on.2,or.r_gc.r_pw.r_qf.,cf.osb&amp;fp=741547350a9f0b10&amp;biw=1323&amp;bih=674" target="_blank">fieberhaft</a> gesucht. Das Higgs Boson ist nämlich das Teilchen, welches das Standardmodell der Physik bestätigen soll. Sinnigerweise wird dieses Teilchen (vor allem in den Medien) auch &#8218;Gottesteilchen&#8216; genannt.</p>
<p>&#8222;Das Standardmodell der Physik&#8220; ist sehr klug formuliert, denn es geht eben nicht um die Weltformel, sondern &#8218;nur&#8216; um die Bestätigung eines Modells &#8211; oder anders gesagt: um die Bestätigung der gegenwärtig in der Physik vorherrschenden Konvention!</p>
<p>Die letzte Wahrheit, die einzige Gewissheit lautet auch in der Physik: Alles ist im Wandel, alles ist im Fluss, und wenn etwas dann doch einmal greifbar sein sollte, dann ist es bloss eine Konvention, ein Modell &#8211; eine Mode.</p>
<p>Und so ist es auch im täglichen Umgang miteinander. Jeder lebt in seiner sozialen Umwelt, seinem Kontext und folgt den dort geltenden Konventionen. Streit entsteht, wenn die Konventionen nicht zusammen passen. Um herauszufinden, auf welche Konvention man sich einigen soll, ist es häufig nötig, das &#8222;zwischenmenschliche Higgs-Teilchen&#8220; zu finden, das die eine oder andere oder (meistens!) eine dritte Konvention bestätigt. Das Higgs-Boson ist das Körnchen Wahrheit, das zwischen Streit und Friede entscheiden kann.</p>
<p>Das Internet, und darin sehe ich eine grosse Chance, schafft einen einheitlichen Kontext und damit die Möglichkeit, sich gemeinsam auf Konventionen zu einigen. Zumindest legt das Internet unterschiedliche Kontexte offen und erleichtert das gegenseitige Verständnis.</p>
<p>So gesehen ist das Internet der Teilchenbeschleuniger, das uns hilft, das Higgs-Boson für eine friedliche Welt nicht nur zu finden, sondern sogar zu machen!</p>
<p>&nbsp;</p>
<address style="text-align: center;">Weltenfriede und Physik,</address>
<address style="text-align: center;">beiden fehlt im Augenlick</address>
<address style="text-align: center;">nur ein winzig kleines Teil.</address>
<address style="text-align: center;">hat man&#8217;s, sind sie beide heil.</address>
<address style="text-align: center;"> </address>
<p style="text-align: right;">25/52</p>
 <p><a href="http://blog.markdot.com/?flattrss_redirect&amp;id=815&amp;md5=a61dd2429bfa4878ad05dd31f769d94b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.markdot.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Die vierte Dimension</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Apr 2012 18:11:56 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Vor der Erfindung der Schrift und des Alphabetes lebt der Stammesmensch in einer rein mündlichen, akustischen und damit mystischen Welt. In einer solchen Welt ist alles im Fluss, so eine Welt kann man nicht festhalten. Geräusche und Töne bestehen nur in der Zeit und können nicht &#8222;eingefroren&#8220; und aufbewahrt werden, wie das für ein Bild [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/04/4te-Dimension.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-654" title="4te Dimension" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/04/4te-Dimension-300x298.jpg" alt="" width="300" height="298" /></a>Vor der Erfindung der Schrift und des Alphabetes lebt der Stammesmensch in einer rein <strong>mündlichen</strong>, akustischen und damit mystischen Welt. In einer solchen Welt ist alles im Fluss, so eine Welt kann man nicht festhalten. Geräusche und Töne bestehen nur in der Zeit und können nicht &#8222;eingefroren&#8220; und aufbewahrt werden, wie das für ein Bild möglich ist. Die Welt und die Erfahrung derselben ist zu dieser Zeit also, könnte man sagen, „eindimensional“. Alles ist in der Gegenwart, alles ist im Fluss, alles ist Prozess. Diese Erfahrungsdimension ist gekennzeichnet durch die Unmittelbarkeit und die Gleichzeitigkeit. In der heutigen Zeit kennen wir diese Art der Erfahrung vor allem von Cocktailpartys und Familienfeiern.</p>
<p>Mit der Erfindung der Schrift und des Alphabetes kommt der Sehsinn dazu. Noch immer ist alles im Fluss, also akustisch, aber es ist möglich, bestimmte Gegebenheiten festzuhalten, aufzuschreiben und damit aufzubewahren. Die beiden Welten hängen noch eng zusammen. In der Antike und im Mittelalter heisst lesen beispielsweise laut lesen: Man liest mit den Ohren. Die rechte Hirnhälfte, die akustisch und sequentiell ist, wird nach und nach mit der linken, der visuellen und räumlichen ergänzt. Zum mündlichen Raum kommt also mit der <strong>Schriftlichkeit</strong> die zweite „Erfahrungsdimension“ des visuellen Raumes hinzu. Heutzutage pflegen wir diese Art der Erfahrung mit Post-it-Zettelchen.</p>
<p>Mit der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert tritt lautes Lesen nach und nach in den Hintergrund. Man neigt zunehmend dazu, Lippenbewegungen und Murmeln beim Lesen als Halbbildung zu interpretieren. Der Sehsinn wird zum zentralen Sinn. Wissen ist kein Prozess mehr, sondern ein Produkt, eben ein Buch, das man besitzen kann. Die Idee der <a href="http://blog.markdot.com/gutenberg-klammer-und-copyright/">geistigen Urheberschaft</a> entsteht in dieser Zeit. Die Tragbarkeit des Buches trägt zudem zur Individualisierung bei. In der Renaissance beginnt sich die perspektivische Darstellung in der Malerei durchzusetzen. Es wird üblich, einen Standpunkt zu haben, wörtlich und im übertragenen Sinne. Der Erfahrungsraum wird also „dreidimensional“: Neben dem Hören und Sehen kommt in der <strong>gedruckten</strong> Welt der eigene Standpunkt hinzu. Wir pflegen auch heute, leicht angepasst, die gedruckte Erfahrungswelt noch: Man denke an Hochzeits- oder Geburtskärtchen, wo man nach aussen einen (neuen Standpunkt) bezieht, als Ehegatten oder Eltern.</p>
<p>Gegenwärtig sind wir, nach der mündlichen, der schriftlichen und der gedruckten in der vierten Erfahrungsdimension angekommen, der <strong>elektrischen</strong>. Diese schliesst die vorherigen drei Dimensionen mit ein: Der eigene Standpunkt, der es einem erlaubt, die Unmittelbarkeit des akustischen Raumes primär visuell wahrzunehmen. Die drei bekannten Dimensionen „krümmen“ sich jetzt in eine neue Richtung:</p>
<p>Im Internet lesen wir nicht mehr linear, wie das in der gedruckten Erfahrungsdimension der Fall war. Dank Hypertext hüpfen wir von Fragment zu Fragment. Im Internet werden geschriebene Texte also tendenziell so wahrgenommen, wie das bin anhin für mündlich überlieferte Texte galt. Das geschriebene Internet ist eine Welt der Gleichzeitigkeit und der Unmittelbarkeit, beides Eigenschaften einer akustischen Welt.</p>
<p>Auch der eigene Standpunkt bekommt eine völlig neue Qualität. Die physische Welt ist überlagert von einem virtuellen Layer. Diese virtuelle Welt ist aber völlig individualisiert. Während wir unsere physischen Erfahrungen untereinander abgleichen können, ist das in der virtuellen Welt nicht mehr möglich. Jeder ist gefangen in seiner <a href="http://blog.markdot.com/google-glauben-ist-sehen/">eigenen Bubble</a>, die ihm nur das zeigt, was in seiner Welt passt.</p>
<p>Wir sind also gegenwärtig in einem Erfahrungs-Hyperraum in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/4D" target="_blank">vierten Dimension</a>. Der Vergleich mit den Dimensionen ist passend, denn die vierte Dimension kann man sich nicht richtig vorstellen. Und was im Moment mit unserer Erfahrungswelt passiert, das verstehen wir auch (noch?) nicht. Aber wir haben eine Ahnung davon, genauso, wie wir auch eine Ahnung von einem 4-dimensionalen Objekt haben können:</p>
<p>Die erste Dimension ist die Linie. Die zweite Dimension ist die Fläche, die dritte der Würfel. Und die vierte Dimension, das ist der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tesserakt" target="_blank">Tesserakt</a>. Ein 4-dimensionaler Würfel sozusagen. Man kann ihn nicht darstellen, weil uns dazu eine Dimension fehlt, aber man kann ihn erahnen, indem man ihn auf eine Fläche projiziert. Und so richtig lebendig wird er, wenn er dazu noch rotiert. Ein Würfel, der rotiert, tut das um eine Achse. Ein Tesserakt, der rotiert, tut das um eine Fläche – logisch, eine Dimension mehr! Und das sieht dann so aus:</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tesserakt"><img class="size-full wp-image-632  aligncenter" title="Tesserakt01" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/04/Tesserakt01.gif" alt="" width="150" height="150" /></a></p>
<p>Oder so, wenn der Tesserakt sogar um zwei Flächen rotiert:</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tesserakt"><img class="size-full wp-image-634 aligncenter" title="Tesserakt02" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/04/Tesserakt02.gif" alt="" width="150" height="150" /></a></p>
<p>Diese beiden Animationen eignen sich sehr gut, um über unsere gegenwärtige Erfahrungs- und Erlebniswelt, wo wir ebenfalls die vierte Dimension betreten haben, zu meditieren und gedanklich <a href="http://hypercube.milosz.ca/">herumzuspielen</a>.</p>
<p>Allenfalls kann es für das Verständnis hilfreich sein, wenn man sich die Gedanken nach einer rauschenden Cocktailparty macht&#8230;</p>
<p style="text-align: center;">An Cocktailpartys redet man,<br />
Auf Post-it&#8217;s schreibt man&#8217;s auf sodann,<br />
Und druckt die eig&#8217;ne Position.<br />
Und jetzt? Die vierte Dimension!</p>
<p style="text-align: right;">14/52</p>
<p style="text-align: left;">Literatur:</p>
<ul>
<li>Backer Dirk, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518294563/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=idomethod-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3518294563" target="_blank">Studien zur nächsten Gesellschaft</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=idomethod-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3518294563" border="0" alt="" width="1" height="1" /></li>
<li>McLuhan Marshall, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3943330001/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=idomethod-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3943330001" target="_blank">Die Gutenberg-Galaxis: Die Entstehung des typographischen Menschen</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=idomethod-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3943330001" border="0" alt="" width="1" height="1" /></li>
<li>Ong Walter J., <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0415281296/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=idomethod-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=0415281296" target="_blank">Orality and Literacy (New Accents)</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=idomethod-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=0415281296" border="0" alt="" width="1" height="1" /></li>
</ul>
 <p><a href="http://blog.markdot.com/?flattrss_redirect&amp;id=631&amp;md5=baaf0cb1d5a506106c8288cbd8234a1b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.markdot.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Gott und die Software</title>
		<link>http://blog.markdot.com/gott-und-die-software/</link>
		<comments>http://blog.markdot.com/gott-und-die-software/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 04 Mar 2012 18:33:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[markdot]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Evolution]]></category>
		<category><![CDATA[Gott]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
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		<description><![CDATA[Im aktuellen Wired gibt es ein Interview von Kevin Kelly mit George Dyson. Dyson ist in den 50er Jahren in Princeton aufgewachsen, und hat dort schon als Kind die „Proto-Hacker“ und frühen Computer-Genies Alan Turing und John von Neumann kennen gelernt. Dyson sagt über den Computerpionier Alan Turing folgendes: Turing, as a 23-year-old graduate student, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Im aktuellen Wired gibt es ein <a href="http://www.wired.com/magazine/2012/02/ff_dysonqa/all/1" target="_blank">Interview</a> von Kevin Kelly mit George Dyson. Dyson ist in den 50er Jahren in Princeton aufgewachsen, und hat dort schon als Kind die „Proto-Hacker“ und frühen Computer-Genies Alan Turing und John von Neumann kennen gelernt. Dyson sagt über den Computerpionier Alan Turing folgendes:</p>
<p style="padding-left: 60px;"><em><a href="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/03/quote-minion.gif"><img class="alignleft size-full wp-image-585" title="quote-minion" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/03/quote-minion.gif" alt="" width="100" height="79" /></a>Turing, as a 23-year-old graduate student, derived the principles of modern computation more or less by accident—as a byproduct of his interest in something called the Decision Problem. It can be stated as: Is there a formula or mechanical process that can decide whether a string of symbols is logically provable or not? Turing’s answer was no. He restated the answer in computational terms by showing that there’s no systematic way to tell in advance what a given code is going to do. You can’t predict how software will behave by inspecting it. The only way you can tell is to actually run it. </em></p>
<p>Der junge Turing hat also mathematisch bewiesen, dass es unmöglich ist vorherzusagen, was eine Software machen wird. Man müsse die Software ausführen, um das zu erfahren. Und je grösser, mächtiger eine Software ist, desto mehr Zeit braucht es um herauszufinden, wie sie reagieren wird. Unsere heutigen komplexen Computersysteme, die zudem noch global vernetzt sind, sind also eine Wundertüte. Niemand kann präzise vorhersagen, wie sie reagieren werden.</p>
<p><a href="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/03/screen.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-586" title="screen" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/03/screen-300x286.jpg" alt="" width="300" height="286" /></a>Software, Computercode, ist also fundamental unberechenbar. Das ist einerseits beunruhigend, denn irgendwann kann irgendetwas passieren, von dem niemand auch nur die geringste Ahnung hatte im Voraus.</p>
<p>Beruhigend daran ist hingegen, dass es damit also unmöglich ist, dass es je eine Instanz geben wird, die unser digitales Leben (und damit natürlich zunehmend unser Leben insgesamt) kontrollieren kann. Weder eine menschliche noch eine digitale. Und zwar nicht aus politischen, sondern aus mathematischen Gründen! Es wird also immer Code geben, der Unvorhergesehenes machen wird. Das digitale Universum bleibe eine Wildnis, die nur teilweise zähmbar sei, sagt Dyson. Und das halte ich für sehr beruhigend!</p>
<p>Jetzt kann man diese Aussage auch dazu benutzen, philosophisch zu grübeln und Parallelen zu ziehen: Die Wissenschaften und die Technik die Religion in unserer Gesellschaft abgelöst, verdrängt und ersetzt. Antworten auf die „letzten Fragen“ suchen wir primär in der Wissenschaft. Sie ist das Denksystem, mit deren Hilfe wir unser Weltbild konstruieren. Mit der Mathematik könnte es nun möglich werden, die Widersprüche, die sich zwischen Wissenschaft und der (christlichen) Religion auftaten, zu schliessen. Mehr noch, man könnte damit letzte Fragen plötzlich beantworten, zumindest eine davon:</p>
<p style="text-align: left;">Während Jahrhunderten haben die Menschen nämlich versucht, die Existenz bzw. nicht-Existenz Gottes zu beweisen. Dieser Disput erscheint dank Turings Beweis in einem neuen Licht: Gott kann als der Ur-Programmierer von uns allen und vom Universum insgesamt angeschaut werden. Er hat seiner Schöpfung gewisse Prinzipien und Konstanten mitgegeben, gewisse Algorithmen, die wieder und wieder ausgeführt und repliziert werden, beispielsweise sogenannte Naturgesetze oder auch die Gene. Das Universum besteht also aus Software und Hardware, die so geschickt verbunden sind, dass sie sich gegenseitig beeinflussen können. Letztlich ist Hardware auf Software reduzierbar – dazu habe ich in einem früheren Blogpost unter dem Titel <a href="http://blog.markdot.com/substance-and-form/?lang=en">Substance and Form</a> geschrieben: <em>hardware becomes simply a variety of software</em>.</p>
<p>Aber, und das ist die grosse Erkenntnis, die Turing mathematisch bewiesen hat: Gott kann uns nicht beherrschen, weil seine Software eben auch unberechenbar ist – aus zwingenden mathematischen Gründen. Ist das nicht einfach eine sehr intelligente Antwort auf die Frage nach Gott? Es gibt ihn, aber er kann seine Schöpfung nicht beherrschen – und schaut uns vielleicht staunend zu&#8230;</p>
<p style="text-align: center;">Auch für das digitale Leben<br />
Hat mathematisch sich ergeben,<br />
Dass niemand es beherrschen kann:<br />
Weder ein Gott noch ein Tyrann!</p>
<p style="text-align: right;">9/52</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
 <p><a href="http://blog.markdot.com/?flattrss_redirect&amp;id=583&amp;md5=ab8d033929eddab1547b5475a069deb3" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.markdot.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Über das Lernen und das Recht auf Vergessen</title>
		<link>http://blog.markdot.com/%c3%bcber-das-lernen-und-das-recht-auf-vergessen/</link>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:11:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[markdot]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Gedanken zur EU-Forderung nach einem „Recht auf Vergessen“ im Internet. Das Internet wird gelegentlich mit einem weltumspannenden Hirn verglichen. Es zumindest als Gedächtnis der Menschheit zu bezeichnen ist naheliegend. Und von da ist es nur noch ein kleiner Schritt, auch die Lerngewohnheiten des Internets mit denen des menschlichen Hirns zu vergleichen. Lernen heisst nach landläufiger [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Gedanken zur EU-Forderung nach einem „<a href="http://www.google.ch/search?aq=f&amp;sourceid=chrome&amp;ie=UTF-8&amp;q=recht+auf+vergessen#q=recht+auf+vergessen&amp;hl=en&amp;newwindow=1&amp;source=lnms&amp;ei=9s0uT-62EsaA-waf1qH-DQ&amp;sa=X&amp;oi=mode_link&amp;ct=mode&amp;cd=1&amp;ved=0CCAQ_AUoAA&amp;bav=on.2,or.r_gc.r_pw.r_cp.,cf.osb&amp;fp=e23112199fdcb284&amp;biw=1362&amp;bih=607" target="_blank">Recht auf Vergessen</a>“ im Internet.</em></p>
<p><a href="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/02/forget-David.jpeg"><img class="alignleft size-medium wp-image-550" title="forget David" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/02/forget-David-224x300.jpg" alt="" width="224" height="300" /></a>Das Internet wird gelegentlich mit einem weltumspannenden Hirn verglichen. Es zumindest als Gedächtnis der Menschheit zu bezeichnen ist naheliegend. Und von da ist es nur noch ein kleiner Schritt, auch die Lerngewohnheiten des Internets mit denen des menschlichen Hirns zu vergleichen.</p>
<p>Lernen heisst nach landläufiger Ansicht, im Kopf ein Gedankengebilde bauen, eine mentale Repräsentation des Lernstoffes. Und Vergessen ist dann der Prozess, bei dem dieses Gebäude wieder zerfällt. Robert Bjork, Director des UCLA Learning and Forgetting Labs und Professor für Psychologie, sagt in einem <a href="http://www.wired.com/geekdad/2012/01/everything-about-learning/" target="_blank">Wired Artikel</a>, häufig sei das genaue Gegenteil der Fall. Wenn wir etwas lernen, so Bjork, dann vergessen wir das tatsächlich nie mehr. Vielleicht können wir uns nicht mehr an die Telefonnummer unseres besten Freundes aus der Kindheit erinnern. Bjorks Forschung hat aber gezeigt, dass falls wir an diese Nummer erinnert würden, wir sie viel schneller und besser wieder behalten können, als eine andere, neue Telefonnummer.</p>
<p>Das menschliche Hirn verfügt also über unlimitierten Speicherplatz. Falls wir aber tatsächlich alles aktiv behalten würden, würde uns das massiv verlangsamen. Wir „vergessen“ deshalb beispielsweise Telefonnummern, die wir nicht mehr benötigen, um den Zugriff auf aktuelle Nummern zu beschleunigen. „Vergessen“ heisst aber nicht, dass das Wissen  nicht mehr im Kopf wäre, es heisst bloss, dass der Zugriff darauf momentan nicht, oder nicht so gut, möglich ist.</p>
<p>Auch das Internet hat unlimitierten Speicherplatz. Die global verfügbare Datenmenge verdoppelt sich etwa alle 1.5 Jahre. Dabei versteht sich von selber, dass ein grosser Teil dieser Datenmenge Müll ist. Und gemessen an dem mich interessierenden Teil ist sogar das aller-allermeiste auf dem Internet Informationsmüll. Die Kunst besteht nun darin, das Internet dazu zubringen, sich bloss an das relevanten Wissen zu „erinnern“. Mit anderen Worten muss ich das für mich relevante Wissen aus dem Datenhaufen Internet fischen. Üblicherweise macht man das mit Suchmaschinen. Üblicherweise heisst diese Suchmaschine Google. Und das hat einen guten Grund!</p>
<p>Google hat nämlich als erste erkannt, dass man die Relevanz einer Webseite nicht feststellen kann, wenn man nur diese eine Webseite anschaut und beispielsweise die Häufigkeit eines bestimmten Begriffes zählt oder feststellt, ob der gesuchte Begriff im Titel, am Anfang oder Ende oder bloss in den Fussnoten des Textes vorkommt. Die Relevanz einer Webseite ergibt sich vielmehr aus dem Gesamtzusammenhang: Google begann damit, die Links zu zählen, die auf eine Webseite zeigen. Je mehr Links auf eine Webseite zeigen, desto relevanter ist sie.</p>
<p>Google hat also erkannt, dass das Internet ein Abbild des menschlichen Gehirns ist. Auch im Hirn wird Wissen gespeichert. Und wir behalten diejenigen Wissensinhalte aktiv im Gedächtnis, die mit möglichst vielen anderen Wissensinhalten verknüpft sind. Relevante Wissensinhalte sind also die, die in unserem Hirn durch möglichst viele Synapsen mit anderen Wissensinhalten verbunden sind.</p>
<p>Wenn auf dem Internet eine Webseite an Relevanz verliert, dann zeigen immer weniger Links auf sie. Die Webseite bleibt erhalten, es wird bloss immer schwieriger, sie zu finden. Und so passiert es auch in unserem Kopf. Das Wissen bleibt immer erhalten, bloss der Zugriff, das Erinnern, wird bei „vergessenen“ Inhalten erschwert.</p>
<p>Das menschliche Hirn kennt noch eine andere Form des Vergessens: Traumatische, unangenehme oder peinliche Situationen können verdrängt werden. Weil man es nicht erträgt, sich daran zu erinnern, „vergisst“ man diese Situationen. Wenn die verdrängten Erlebnisse unverarbeitet sind, so das psychologische Küchenwissen, dann sind diese Inhalte eine tickende Zeitbombe. Irgendwann holen sie einem ein.</p>
<p>Die EU fordert nun ein „Recht auf Vergessen“ im Internet. Sie meint damit aber nicht das über längere Zeit langsame Verschwinden von Links im Internet. Nein, was die EU fordert ist die Möglichkeit eines proaktiven Vergessens von Inhalten auf dem Internet. Definitives Vergessen, eben Löschen, geht aber weder im Hirn noch im Netz. Das richtige Wort wäre „Verdrängen“, gefordert wird nämlich vielmehr ein „Recht auf Verdrängen“.</p>
<p>Die Möglichkeit des Verdrängens per Gesetzt im Internet einführen zu wollen ist eine schlechte Idee. Dann wie im Hirn schafft man sich damit auch im Netz keine Lösung – im Gegenteil! Daten, die „gelöscht“ wurden, werden durch diesen Vorgang nämlich plötzlich viel interessanter und damit werden „verdrängte“ Inhalte auch im Netz zu einer Zeitbombe&#8230;</p>
<p style="text-align: center;">Sich alles merken wär&#8216; vermessen,<br />
Es braucht zum Wissen das Vergessen.<br />
Es löschen geht nicht, trotz anstrengen,<br />
Was höchstens geht ist das Verdrängen!</p>
<p style="text-align: right;">5/52</p>
<p>&nbsp;</p>
 <p><a href="http://blog.markdot.com/?flattrss_redirect&amp;id=544&amp;md5=d2f2452f4c7d878acda773c65b5c575d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.markdot.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Hype</title>
		<link>http://blog.markdot.com/hype/</link>
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		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 20:12:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[markdot]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<description><![CDATA[Zumindest im deutschsprachen Raum ist „Hype“ ein neues Wort. Das Phänomen aber kennen wir schon lagen: Harry Potter ist ein Beispiel, das Waldsterben war ein anderes. Traditionellen Medien können Hypes erzeugen, auch wenn Hypes immer eine gewisse Dynamik haben. Da die Medienschaffenden jedoch eine in sich geschlossene Gruppe sind, die sich gegenseitig beeinflusst und fördert, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Zumindest im deutschsprachen Raum ist „Hype“ ein neues Wort. Das Phänomen aber kennen wir schon lagen: Harry Potter ist ein Beispiel, das Waldsterben war ein anderes.</p>
<p>Traditionellen Medien können Hypes erzeugen, auch wenn Hypes immer eine gewisse Dynamik haben. Da die Medienschaffenden jedoch eine in sich geschlossene Gruppe sind, die sich gegenseitig beeinflusst und fördert, ist es möglich, Themen zu erzeugen. Man kann das während politischen Wahlen immer sehr gut beobachten. Die Partei mit den grössten Finanzreserven kann mit ihren Plakaten und weiteren Werbemassnahmen ein Thema setzen, das dann den Wahlkampf beherrscht. Dieses Thema kann im Gesamtkontext völlig irrelevant und unwichtig sein. Aber wenn der Hype einmal erzeugt ist, dann ist die Vernunft dagegen machtlos. Zu behaupten, die Medien oder die politischen Parteien nähmen nur die Themen auf, die die Leute tatsächlich beschäftigten, ist eine Ausrede. Die Huhn-oder-Ei-Frage stellt sich bei einem solch klaren Machtgefälle einfach nicht. Die unorganisierte Masse ist machtlos gegen einen finanziell potenten Medien- und/oder Politapparat.</p>
<p>Ganz anders ist das im Internet. Hier kann auch ein Einzelner am Anfang eines Hypes stehen. Ein Internethype unterscheidet sich aber von einem Hype in den traditionellen Medien: Im Internet ist es kaum mehr möglich, einen Hype zu erzeugen. Im Internet entstehen Hypes. Der Einzelne, der am Anfang steht, hat den Hype deshalb nicht erzeugt, sondern er stand einfach, mehr oder weniger zufällig, am Anfang einer Bewegung. Er löste sie aus, hat aber keine Macht über die weitere Entwicklung.</p>
<p>Aus der Chaostheorie wird das schöne Bild des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schmetterlingseffekt" target="_blank">Schmetterlings</a> in Brasilien kolportiert, dessen Flügelschlag einen Tornado in Texas auslöst. Der Schmetterling hat damit den Orkan nicht verursacht, er stand bloss am Anfang einer Kausalkette.  Im Internet sind solche Schmetterlinge beispielsweise <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Justin_Bieber" target="_blank">Justin Bieber</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Planking" target="_blank">Planking</a>, oder das Mobiltelefonspiel <a href="http://www.rovio.com/en/our-work/games/view/1/angry-birds" target="_blank">angry birds</a>. Diese Hypes wurden nicht von klassischen Medien erzeugt (höchstens allenfalls verstärkt), sondern sie entstanden. Die Mechanismen, die dazu führten, sind unbekannt und unerkennbar – auch wenn social media Experten das nicht wahrhaben wollen.</p>
<p>Die Antwort liegt letztlich in der Chaostheorie.  Internethypes sind als nicht gemacht oder hergestellt, sondern entstanden und gewachsen. Das ist die völlig neue Dimension, die das Internet gebracht hat. Eine deutsche Übersetzung von Hype, „Wirbel“, klingt zwar nicht so sexy, trifft aber den Punkt. Auch ein Wirbel hat einen Anfang, einen Auslöser. Doch ist es nicht dieser Anfang, der den Wirbel beherrscht, eher umgekehrt.</p>
<p>Nassim N. Taleb (in: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3596190584/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=idomethod-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3596190584">Wie hat das Internet Ihr Denken verändert? Die führenden Köpfe unserer Zeit über das digitale Dasein</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=idomethod-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3596190584" border="0" alt="" width="1" height="1" />, Hrsg. von John Brockman) hat es schön auf den Punkt gebracht: <em>Das Internet führt durch die Verbreitung von Informationen zu einer Zunahme der wechselseitigen Abhängigkeiten, zum Ausufern von Modeerscheinungen.</em> Neben ‚Modeerscheinungen’ braucht er noch ein anderes Synonym für Hype: <em>Technologien sind zwar das Grösste auf der Welt, aber sie haben ungeheuerliche Nebeneffekte – die man ausserdem selten rechtzeitig erkennt.</em> Dank des Internets wissen wir immer mehr, weil das gesammelte Wissen der Menschheit jederzeit sofort verfügbar ist. Gleichzeitig nimmt aber auch die Vorhersagbarkeit ab: Jederzeit kann ein Internethype entstehen mit ungeahnten Auswirkungen auch ausserhalb des Internets.</p>
<p>Fatal wird es, wenn man die Logik traditioneller, erzeugter Hypes auf die Internetwelt anwenden will, denn das funktioniert nicht. Internethypes sind zwar in der Regel grösser als traditionell erzeugte Hypes, aber man kann sie nicht erzeugen, sie passieren. Sie sind nicht rational, sondern folgen irrationalen, chaotischen Gesetzmässigkeiten – wobei diese Formulierung natürlich ein Widerspruch in sich ist.  Das hat zum Einen Konsequenzen für Leute, die gerne einen Hype erzeugen möchten. <a href="http://gapingvoid.com/">Hugh MacLeod</a> hat das in <a href="http://www.amazon.de/gp/product/159184259X/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=idomethod-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=159184259X">Ignore Everybody: and 39 Other Keys to Creativity</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=idomethod-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=159184259X" border="0" alt="" width="1" height="1" /> treffend ausgedrückt:  <em>If your business plan depends on suddenly being “discovered” by some big shot, your plan will probably fail. </em></p>
<p><em></em> Immerhin, soviel Trost muss sein, kann die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, am Anfang eines Hypes zu stehen: Durch kontinuierliche harte Arbeit. Denn in der Chaostheorie gelten die Regeln der Wahrscheinlichkeit. Angry Birds zum Beispiel war das fünfzigste Spiel, das die Firma <a href="http://www.rovio.com/" target="_blank">Rovio</a> entwickelte. Es passiert nicht über Nacht, es braucht harte Arbeit.  Und die zweite Hälfte der Konsequenzen sind noch wichtiger: Erkennen den Hype, und erkenne ihn als solchen!</p>
<p><a href="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2011/11/NY-cab-front1.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-459" title="NY cab front" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2011/11/NY-cab-front1-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Nur weil alle in eine Richtung rennen, heisst das nicht, dass die Richtung die richtige ist auch für dich. Das chaotische Internet ist anfällig für die Entstehung von Hypes. Und der Mensch ist anfällig, einem Hype blind zu folgen – mit teilweise fatalen Folgen. Das zeigt die gegenwärtige Finanzkrise eindrücklich. Wobei man anfügen muss, dass auch die Idee der Finanzkrise letztlich ein blosser Internethype ist&#8230;</p>
 <p><a href="http://blog.markdot.com/?flattrss_redirect&amp;id=449&amp;md5=fc9a0c434c5b619c1860934b2ba90db3" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.markdot.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Glauben und Wissen</title>
		<link>http://blog.markdot.com/glauben-und-wissen/</link>
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		<pubDate>Tue, 15 Feb 2011 18:39:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[markdot]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirklichkeit?!]]></category>
		<category><![CDATA[Evolution]]></category>
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		<description><![CDATA[In fünf Tagen erschafft Gott die Welt. Er begint mit der Erde und dem Licht am ersten Tag, und schafft an den folgenden Tag den Himmel, die Vegetation, das Firmament (d.h. das Universum) und schliesslich die Vögel und Fische. Am sechsten Tag schafft er neben den Tieren auch den Menschen, Adam und Eva. Am siebten [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2011/02/JurassicPark.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-289" title="JurassicPark (C) philippkeusen.com" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2011/02/JurassicPark-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>In fünf Tagen erschafft Gott die Welt. Er begint mit der Erde und dem Licht am ersten Tag, und schafft an den folgenden Tag den Himmel, die Vegetation, das Firmament (d.h. das Universum) und schliesslich die Vögel und Fische. Am sechsten Tag schafft er neben den Tieren auch den Menschen, Adam und Eva. Am siebten Tag ruht er – die erste Arbeitswoche ist um. In der zweiten Woche beginnt sich die uns bekannte Welt zu drehen. Wegen dem Tipp der Schlange und dem darauf folgenden Biss in einen saftigen Apfel ist auch bei uns nicht mehr jeden Tag Sonntag, sondern wir leben in Arbeitswochen. Eine wunderschöne Geschichte, die den Beginn des Katholizismus markiert. Zumindest ist das der Beginn der Welt im Selbstverständnis der katholischen Kirche. Aber das ist nicht das Thema, zumindest nicht hauptsächlich.</p>
<p>Jedenfalls ist unsere westliche (im Kern griechische) Kultur in den Jahrtausenden vor Christus in Mythen und Legenden gefangen. Praktisches, anwendbares Wissen ist zwar vorhanden, aber die Kenntnis der Zusammenhänge und eine anerkannte und systematische Methode zur Erlangung von gültigem Wissen neben der Religion gibt es nicht.</p>
<p>In <strong><em>Griechenland </em></strong>entwickelt sich im letzten Jahrtausend vor Christus eine Gegenbewegung zu den dort bis dahin gültigen Mythen und Überlieferungen. Die klassische griechische Wissenschaft entsteht und bringt Grössen wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoras" target="_blank">Pythagoras</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thales" target="_blank">Thales</a> hervor, später <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sokrates">Sokrates</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Platon" target="_blank">Platon</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles" target="_blank">Aristoteles</a>. Auch wenn diese Wissenschaft vor allem philosophisch orientiert ist, bringt sie doch auch technische Errungenschaften hervor. Als Beispiel seien hier Leuchttürme genannt. Der älteste bekannte Leuchtturm wird schon 280 v. Chr. auf der Insel <a href="http://www.weltwunder-online.de/antike/leuchtturm-pharos-alexandria.htm" target="_blank">Pharos</a> bei Alexandria errichtet und dient als Vorbild für alle weiteren Leuchttürme.</p>
<p>Im Westen wächst dann <strong><em>im Mittelalter</em></strong> der Katholizismus zur zentralen, alles beherrschenden Macht heran. Auch die Wissenschaft steht unter der Schirmherrschaft der Kirche. Auch hier entwickelt sich praktisches Wissen<sup class='footnote'><a href='#fn-280-1' id='fnref-280-1' onclick='return fdfootnote_show(280)'>1</a></sup>:</p>
<ul>
<li>3. Jh.: Berechnung des Erdumfanges durch <a href="http://eduwww.mikkeli.fi/opetus/myk/pv/comenius/erathostenes.htm" target="_blank">Erathostenes</a>: 39‘690km (nach heutiger Messung beträgt er 40‘075km)</li>
<li>6. Jh.: Hebemaschinen, eine Kombination aus Hebel, Winde und Flaschenzug (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kran" target="_blank">Trispastos</a>)</li>
<li>11./12. Jh.: senkrechte Wasserräder mit Nockenwellen, welche die Kreisbewegung in eine Auf-und-ab-Bewegung übersetzen konnten. Dies waren die Maschinen des Mittelalters</li>
<li>13. Jh.: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%A4deruhr" target="_blank">Räderuhr</a></li>
</ul>
<p>Eine eigentliche Wissenschaft nach heutigem Verständnis gibt es jedoch nicht. Die Alchemisten sind wohl die ersten Vorläufer. Diese erste Generation von „Wissenschaftlern“ <em>glaubt</em> daran, aus wertlosen Substanzen Gold machen zu können. Auch ihr „Wissen“ entspringt also Mythen und Legenden – und nicht einer <em>wissenschaftlichen</em> Herangehensweise.</p>
<p>Erst im 16./17. Jh., zur Zeit der <strong><em>Renaissance</em></strong>, entwickelt sich nach und nach die moderne Wissenschaft. Sie kennzeichnet sich dadurch aus, dass sie die Erlangung von Wissen systematisch angeht. Im Vordergrund steht also die <em>Methode</em> zur Erlangung von Wissen. Als sicherster Weg zur Erkenntnis der „Natur an sich“ erscheint Francis Bacon (und seinen Zeitgenossen) die auf Beobachtung und Experiment gegründete und von Tatsache zu Tatsache behutsam vorwärtsschreitende Induktion<sup class='footnote'><a href='#fn-280-2' id='fnref-280-2' onclick='return fdfootnote_show(280)'>2</a></sup>. Gepaart mit der Logik und deren strengen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schlussregel" target="_blank">Schlussregeln</a> sehen wir hier die Geburtsstunde der modernen Wissenschaft.</p>
<p>Diese <strong><em>wissenschaftliche Methode</em></strong> wird nun nach und nach entwickelt<sup class='footnote'><a href='#fn-280-3' id='fnref-280-3' onclick='return fdfootnote_show(280)'>3</a></sup>:</p>
<ul>
<li>schon 1590 führt Francis Bacon das kontrolliertes Experiment ein, bei dem jeweils nur eine Variable angepasst wird</li>
<li>1665 forderte Robert Boyle die Wiederholbarkeit naturwissenschaftlicher Experimente</li>
<li>1752 wurden peer-reviewd Journals eingeführt. Damit kam eine weitere Ebene der Validierung und Bestätigung über das geteilte Wissen hinzu</li>
<li>1885: Der Zufall wird in den Experimenten mitberücksichtigt</li>
</ul>
<p>Errungenschaften dieser Methode sind beispielsweise das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Morsecode" target="_blank">Morsen</a> 1833 die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erfindung_des_Telefons" target="_blank">Erfindung des Telefons</a> durch Bell und Vorläufer im Jahre 1876. Später kommen das Internet und damit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/E-Mail#Geschichte" target="_blank">E-Mail</a> hinzu.</p>
<p>Diese Objektivität, der sich die Wissenschaft zu verschreiben  beginnt, ist auf den grossen Einfluss der Kirche zurück zu führen. Aber die Trennung von Kirche und Wissenschaft ist unvermeidlich, aber nicht einfach. Schön dazu die Legende, wonach Galileo Galilei, nach dem er vor der Kirche seiner Lehre von der Erdbewegung abgeschworen hatte, den Ausspruch „<a href="http://www.medienwerkstatt-online.de/lws_wissen/vorlagen/showcard.php?id=3055" target="_blank">und sie bewegt sich doch</a>“ getan habe.</p>
<p><a href="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2011/02/Urknall.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-314" title="Urknall (c) Philippkeusen.com" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2011/02/Urknall-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Da die Kirche nach wie vor die Autorität über die Seele des Menschen beansprucht, bleibt den Wissenschaften nur die Flucht in die seelenlose Objektivität. Damit findet eine Trennung statt, die bis heute stark spürbar ist: Die Seele „gehört“ der Kirche, den Naturwissenschaften bleibt nur das seelenlose, unbeseelte Welt. Beispielhaft sieht man diese Trennung in der Medizin. Die medizinische Heilung des Menschen wird von seinem seelischen, psychischen Wohlbefinden getrennt behandelt. Der „Medizinmann“ wird also zweigeteilt, einerseits der klinische Arzt, andererseits der Priester. Damit werden die Naturwissenschaften auch von den Emotionen getrennt – seelenlos also im doppelten Wortsinn.</p>
<p>Doch auch diese beabsichtigte klare Trennung zwischen Kirche und Wissenschaft konnte nicht verhindern, dass die Naturwissenschaften mit der Zeit die Autorität der Kirche untergruben und die weltliche Macht übernahmen.</p>
<p>Der <strong><em>Wiener Kreis</em></strong> schliesslich vollendete die Spaltung zwischen Geistes- und Naturwissenschaften, indem die Protagonisten die Trennung von Denken und Rhetorik forderten. Wissen kann nach ihnen nur entweder  induktiv oder deduktiv erlangt werden – das fordert das Denken. Rhetorik hingegen  sollte auf Literatur und Poesie beschränkt werden. Schön formuliert das Wittgenstein im Tractatus Logico Philosophicus<sup class='footnote'><a href='#fn-280-4' id='fnref-280-4' onclick='return fdfootnote_show(280)'>4</a></sup>: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“.</p>
<p>So vervollkommnet sich die <strong><em>wissenschaftliche Methode</em></strong> zusehends:</p>
<ul>
<li>1932: Karl Popper prägt die Ansicht, dass jedes gültige Experiment widerlegbare Testmöglichkeit haben muss</li>
<li>1946: Computer Simulationen ergänzen die wissenschaftliche Methode</li>
<li>1952: double-blind Experimente werden eingeführt</li>
<li>1974: Meta-Analysen werden durchgeführt.</li>
</ul>
<address></address>
<address><span style="font-style: normal;">So ist also die moderne Naturwissenschaft entstanden, als kalte, objektive und eben „seelenlose“ Wissenschaft. Sie war und ist ein beispielloses Erfolgsmodell.</span></address>
<p><strong>Und heute?</strong></p>
<p>Heute hat alles seine naturwissenschaftliche Spezifikation.  Jedes Ding hat seinen Preis, seine Spezifikation und daraus folgende sein Preis-/Leistungsverhältnis. Ein Mobiltelefon bspw. ist definiert durch die Standby-Zeit, den Prozessor, das Display, die Sensoren, und so weiter<sup class='footnote'><a href='#fn-280-5' id='fnref-280-5' onclick='return fdfootnote_show(280)'>5</a></sup>. Es gibt also klare Spezifikationen, die man vergleichen und aufgrund derer man sich für das eine oder andere Modell entscheiden kann. Klare Sache, könnte man meinen. Und dann passiert etwas völlig unerwartetes: Im Jahre 2008 trat ein Mobiltelefon einen beispiellosen Siegeszug an.</p>
<ul>
<li>Die Standby-Zeit war kürzer als bei vergleichbaren Modellen</li>
<li>Die Kamera war mit 2MB schlechter als bei vergleichbaren Modellen</li>
<li>Es hatte viel weniger Speicherplatz als vergleichbare Modelle</li>
</ul>
<address> </address>
<p>Aber: es hatte eine Geschichte, einen Mythos, ein Geheimnis, aber vor allem: es war verbunden mit Emotionen. Das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Apple_iPhone#Geschichte" target="_blank">iPhone</a> wird von Beginn weg umgeben von einer Aura, wie sie nur von guten Geschichten und Emotionen geschaffen werden kann. Steve Jobs und Apple haben diese Aura meisterhaft geschaffen und damit den grössten Negativpunkt der Naturwissenschaften ausgehebelt: Mit dem Erfolg der Naturwissenschaften geht nämlich einher, dass sie immer dynamischer und komplexer wird. Bei zunehmendem Tempo und zunehmender Komplexität wird das, was wir wirklich wissen – also gedanklich durchdrungen haben – immer kleiner. Wir sind zunehmend umgeben von Black Boxes. Wir integrieren sie nur noch hinsichtlich des In- und Outputs in unsere Überlegungen und sind je nach dem überrascht oder verärgert über den Output dieser Maschinen. Der Teil, den wir einfach glauben müssen, ohne die Erklärung zu verstehen, wird immer grösser. <sup class='footnote'><a href='#fn-280-6' id='fnref-280-6' onclick='return fdfootnote_show(280)'>6</a></sup>. Damit kommt dem Erklärenden eine höhere Bedeutung zu als ihrer Erklärung.</p>
<p>In Zukunft müssen wir wieder mehr mit Bildern und Emotionen überzeugen als mit Argumenten.</p>
<p>Und damit sind wir an einem historisch interessanten Punkt angelangt. Es ist offensichtlich  nicht so, dass wir uns wegen der Naturwissenschaft weiter und weiter weg vom Ursprung bewegen, das Gegenteil ist der Fall. Es dreht sich eben immer weiter: die Legenden und Mythen, die das Leben bestimmten, wurden nicht abgelöst, sondern ersetzt durch neue.</p>
<p>Es gibt übrigens einen mathematischen Begriff dafür: <strong><em>Ergodizität</em></strong>. Sie besagt, vereinfacht gesagt, dass ganz lange Muster sich schliesslich alle gleichen. Und was ist denn das Leben und die Evolution anderes, als eine langes, sich spiralförmig (also auf immer höherem Niveau) wiederholendes Muster<sup class='footnote'><a href='#fn-280-7' id='fnref-280-7' onclick='return fdfootnote_show(280)'>7</a></sup>.</p>
<p>Das Wichtigste ist nach wie vor, schon seit eh und je, eine gute Geschichte! Darum habe ich auch mit Adam und Eva begonnen: <a href="http://www.rafa.at/51sch.htm" target="_blank">Schöpfungsmythen</a> sind stärkere Geschichten und viel emotionaler als die Urknalltheorie. Oder wer kann sich schon vorstellen, wie es vor 13,7 Milliarden Jahren (±0,2 Milliarden Jahren) zu einem Urknall kommt, bei dem die Temperatur (1032 Kelvin) und Dichte (1092 Gramm/cm3) unvorstellbar gross sind bei einer minimalen von 10-33 cm.</p>
<p>Und aus diesem Knall soll  schliesslich, eben 13,7 Milliarden Jahre (±0,2 Milliarden Jahre) später, ein iPhone entstanden sein…</p>
<p>_______________</p>
<div class='footnotes' id='footnotes-280'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-280-1'>Ebers / Melchers / Pawelke, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3446230882?ie=UTF8&amp;tag=idomethod-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3446230882">WissensWelten Philosophie</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=idomethod-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3446230882" border="0" alt="" width="1" height="1" /> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-280-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-280-2'>Egon Friedell, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406409881?ie=UTF8&amp;tag=idomethod-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3406409881">Kulturgeschichte der Neuzeit</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=idomethod-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3406409881" border="0" alt="" width="1" height="1" /> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-280-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-280-3'>Kevin Kelly, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0670022152?ie=UTF8&amp;tag=idomethod-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=0670022152">What Technology Wants</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=idomethod-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=0670022152" border="0" alt="" width="1" height="1" /> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-280-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-280-4'>Ludwig Wittgenstein, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518100122?ie=UTF8&amp;tag=idomethod-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3518100122">Tractatus logico-philosophicus: Logisch-philosophische Abhandlung (edition suhrkamp)</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=idomethod-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3518100122" border="0" alt="" width="1" height="1" /> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-280-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-280-5'>als Beispiel die Spezifikation des <a href="http://www.htc.com/www/product/desirez/specification.html" target="_blank">Mobiltelefons HTC Desire Z</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-280-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-280-6'>Dies ist schön dargestellt bei Krogerus / Tschäppeler, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3036955291?ie=UTF8&amp;tag=idomethod-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3036955291">50 Erfolgsmodelle. Kleines Handbuch für strategische Entscheidungen</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=idomethod-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3036955291" border="0" alt="" width="1" height="1" /> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-280-6'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-280-7'>Nassem Nicholas Taleb, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/352750432X?ie=UTF8&amp;tag=idomethod-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=352750432X">Narren des Zufalls: Die verborgene Rolle des Glücks an den Finanzmärkten und im Rest des Lebens</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=idomethod-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=352750432X" border="0" alt="" width="1" height="1" /> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-280-7'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
 <p><a href="http://blog.markdot.com/?flattrss_redirect&amp;id=280&amp;md5=9266e1c094f8027d9b0b0e7e573faa31" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.markdot.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Warum die Welt immer besser wird</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Nov 2010 20:00:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[markdot]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Zeitungen und die Medien insgesamt sind voller schlechter Nachrichten. Es ist das reinste Füllhorn von Katastrophen, Unglücken, Un- und Überfällen, Missetaten und anderen schlechten Neuigkeiten, das sich Tag für Tag über einen ergiesst1. Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass  sich die Welt stetig verbessert. Und die eigenen Überzeugungen bestimmen ja weitgehend, was man [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2010/11/IMG_20101101_204756_edit0.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-173" title="thumbs up" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2010/11/IMG_20101101_204756_edit0-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Die Zeitungen und die Medien insgesamt sind voller schlechter Nachrichten. Es ist das reinste Füllhorn von Katastrophen, Unglücken, Un- und Überfällen, Missetaten und anderen schlechten Neuigkeiten, das sich Tag für Tag über einen ergiesst<sup class='footnote'><a href='#fn-172-1' id='fnref-172-1' onclick='return fdfootnote_show(172)'>1</a></sup>. Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass  sich die Welt stetig verbessert. Und die eigenen Überzeugungen bestimmen ja weitgehend, was man von der Welt wahrnimmt.<sup class='footnote'><a href='#fn-172-2' id='fnref-172-2' onclick='return fdfootnote_show(172)'>2</a></sup> So ist es nicht erstaunlich, dass ich immer wieder Belege für meine Überzeugung finde.  Einen ganz starken Beleg habe ich im neuen Buch von Kevin Kelly gefunden<sup class='footnote'><a href='#fn-172-3' id='fnref-172-3' onclick='return fdfootnote_show(172)'>3</a></sup>. Er findet fünf Bereiche, in denen er den Trend zum Besseren, den positiven Fortschritt, belegt:</p>
<p><strong>1. Der seit langer Zeit kontinuierliche Anstieg der Lebensdauer, Gesundheit, des Wohlstandes und der Ausbildung eines durchschnittlichen Menschen.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>Dieser Bereich ist ein offensichtliches Indiz für die stetige Verbesserung der Welt. Die Lebenserwartung wird von Generation zu Generation grösser, die Menschen sind immer gesünder, die Bildung steigt und auch der Wohlstand. Natürlich gibt es regionale Rückschläge wegen Krieg oder Naturkatastrophen, aber die Langzeit-Kurve steigt seit hunderten und tausenden von Jahren stetig und messbar.</em></p>
<p><strong>2. Die Masse an offensichtlich positiver technologischer Entwicklung, die wir alle während unseres Lebens beobachten konnten und können.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>Für diesen Punkt braucht es nicht viel Überzeugungsarbeit. Jeder von uns kann das beobachten, oder wer reitet noch auf einem Pferd und benutzt eine Schreibmaschine?</em></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>Der indische Ingenieur R.A. Mashelkar ist ein sehr schönes Beispiel für die technologische Entwicklung. In Indien brauche es, so stellt er fest, vor allem „more for less for more and more“ – mehr (Ertrag) für weniger (Geld) für mehr und mehr (Menschen). Er nennt das Gandhian Engineering:</em></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>more for less for more and more.<sup class='footnote'><a href='#fn-172-4' id='fnref-172-4' onclick='return fdfootnote_show(172)'>4</a></sup> Das bedeutet nichts anderes, als dass auch den vier Milliarden Indern, die mit weniger al 2 Dollar pro Tag auskommen müssen, Technologie das Leben zu verbessern vermag.</em></p>
<p><strong> 3. Auch die moralische Sphäre macht kleine, aber stetige Fortschritte.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>Hier gestaltet sich die Messbarkeit schwierig. Aber vergleicht man beispielsweise das gegenwärtige Strafrecht mit dem des Mittelalters – oder auch mit dem Strafrecht eines weniger entwickelten Landes – so sieht man, dass da die moralische Grundlage entwickelt wurde</em>.</p>
<p><strong>4. Eine unüberschaubare Fülle von wissenschaftlicher Literatur zeigt die riesige Distanz auf, welche das Leben in den letzten vier Milliarden Jahren zurückgelegt hat von simplen Organismen bis zu komplexen und sozialen Tieren. Dies ist kein eigentlicher Beleg, aber eine starke Unterstützung der These.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>Unsere Kultur hat also vor vier Milliarden Jahren begonnen!</em></p>
<p><strong>5. Das fünfte Argument, dass der Fortschritt real ist, ist die rasant zunehmende Verstädterung</strong>.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>Dieses Argument ist nicht auf den ersten Blick einsichtig. Fortschritt, so zeigt die Geschichte, hat immer in Städten stattgefunden. Immer dann, wenn viele Menschen an einem Ort zusammen kommen, dann entsteht etwas. Ideen vermehren und verändern sich. In der bekannten Vergangenheit haben immer zwischen einem und zwei Prozent der Bevölkerung in Städten gelebt. Diese Zahl ist in den letzten fünfzig Jahren explodiert und strebt gegen 100%. Dabei ist es unerheblich das alle Städte Slums haben, bzw. hatten (auch New York beispielsweise war im 19.Jh. von Slums umgeben). Slums sind wahre Innovationsmotoren. Die Leute haben Zugang zu den Ideen und müssen diese mit den einfachsten Mitteln umsetzen. Auch dazu liefert R.A. Mashelkar in seinem TED Talk schlagende Beweise.</em></p>
<p>Das Buch von Kevin Kelly ist also, wie diese kurze Zusammenfassung aus einem halben Kapitel davon zeugt, eine sehr inspirierende Lektüre – voller neuer Einsichten, aber mit der richtigen Portion Skepsis.</p>
<p>Alles ist gut und wird besser!  <img src="http://blog.markdot.com/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif" alt=":-)" class="wp-smiley" /></p>
<p>_______________</p>
<div class='footnotes' id='footnotes-172'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-172-1'>Das ist übrigens der Grund, warum ich <a href="http://blog.markdot.com/why-tv-is-bad-for-you/?lang=en">keinen Fernseher</a> habe und kaum noch Zeitungen lese. Doch dazu ein andermal mehr. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-172-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-172-2'>Diese so einfach hingeworfene Behauptung werde ich einem nächsten Post etwas ausführlicher darstellen. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-172-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-172-3'>Kevin Kelly, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0670022152?ie=UTF8&amp;tag=idomethod-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=0670022152">What Technology Wants</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=idomethod-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=0670022152" border="0" alt="" width="1" height="1" /><br />
 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-172-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-172-4'>sein <a href="http://www.ted.com/talks/r_a_mashelkar_breakthrough_designs_for_ultra_low_cost_products.html?utm_source=newsletter_weekly_2010-10-26&amp;utm_campaign=newsletter_weekly&amp;utm_medium=email" target="_blank">TED talk</a> (in Englisch, aber deutsche Untertitel sind bestimmt bald verfügbar) ist absolut empfehlenswert! <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-172-4'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
 <p><a href="http://blog.markdot.com/?flattrss_redirect&amp;id=172&amp;md5=136620004324dbf74be032c95188b49a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.markdot.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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