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	<title>Mark. Alder &#187; Gedanke</title>
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	<description>Reden - und über&#039;s Reden reden</description>
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		<title>Mark. Alder</title>
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	<itunes:category text="Society &#38; Culture" />
	<itunes:author>Mark. Alder</itunes:author>
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		<title>Für eine Binärisierung des Alltags</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Mar 2013 11:31:04 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Idee]]></category>
		<category><![CDATA[Gedanke]]></category>
		<category><![CDATA[Ideen]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine gute Freundin aus Deutschland hat mir eine Nachricht geschickt und mich etwas gefragt. Ich sah die Nachricht auf meinem Mobiltelefon, konnte aber gerade nicht antworten und habe mir das deshalb für später vorgenommen. Später, als ich wieder Zeit hatte und die Nachricht beantworten wollte, habe ich sie nicht mehr gefunden. Ich wusste nicht mehr, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/03/Ansichtskarte.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-609" title="Ansichtskarte" alt="" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/03/Ansichtskarte-300x298.jpg" width="300" height="298" /></a>Eine gute Freundin aus Deutschland hat mir eine Nachricht geschickt und mich etwas gefragt. Ich sah die Nachricht auf meinem Mobiltelefon, konnte aber gerade nicht antworten und habe mir das deshalb für später vorgenommen.</p>
<p>Später, als ich wieder Zeit hatte und die Nachricht beantworten wollte, habe ich sie nicht mehr gefunden. Ich wusste nicht mehr, über welchen Kanal ich die Nachricht erhalten hatte. Es war keine Mail, auch keine Facebook-Message und auch bei Google Plus oder Twitter war sie nicht. WhatsApp? SMS? Ich wusste es einfach nicht mehr. &#8211;</p>
<p>Das Leben wird immer komplexer. Auf immer mehr Kanälen prasselt immer mehr Information auf uns ein. Unsere Aufmerksamkeit wird ein immer kostbareres Gut. Und dieses Gut wird zwischen immer mehr Anspruchsgruppen aufgeteilt.</p>
<p>Aber Moment mal, wie kann das denn eigentlich sein? Unser Leben verlagert sich ja zunehmend in die digitale Welt, Bildschirme bestimmte mehr und mehr unseren Alltag. Und all die digitalen Gadgets sind doch alles andere als komplex. Das sind bloss binäre Realitäten. 0 oder 1, an oder aus, schwarz oder weiss. So einfach ist das, so einfach ist digital. Die Computer erzeugen all diese verblüffende Vielfalt mit dieser einen, grundlegenden Unterscheidung.</p>
<p>Die Komplexität entsteht erst in unserem Kopf, der nach wie vor analog funktioniert. Und da steckt denn auch das Problem. Die Welt entwickelt sich so schnell weiter, die Evolution kann da nicht mithalten. Evolution braucht Generationen, um sich neuen Bedingungen anzupassen. Und soviel Zeit gibt es im Moment nicht, die Entwicklung läuft viel zu schnell. Es braucht viel schneller Anpassungsmechanismen. Weil wir also nicht auf die Evolution warten können, müssen wir uns selber anpassen, kulturelle Überformung nennt sich das. Unsere Kultur, unser Denken muss binärisiert werden: die Binärisierung des Alltags ist geboten.</p>
<p>Es gibt nur zwei Arten von Menschen auf der Welt: Die, die die Menschheit in zwei Arten einteilen, und die, die das nicht tun. Ich mag es, die Welt zweizuteilen: wichtig und unwichtig, gut und böse, jetzt oder später. Mehr braucht es nicht, das reicht vollauf. Die digitale Welt ist schwarz/weiss, und daraus entsteht ihre grenzenlose Vielfalt. Sparen wir uns die Grautöne für die verbleibenden Nischen der analoge Welt. Ich werde die Freundin aus Deutschland bitten, mir eine Ansichtskarte zu schreiben!</p>
<p style="text-align: center;">Digital, das heisst binär,<br />
Und vereinfacht alles sehr:<br />
Schwarz und Weiss tut&#8217;s nur noch geben,<br />
Grau gibt es nicht mehr im Leben.</p>
<p style="text-align: right;">11/52</p>
 <p><a href="http://blog.markdot.com/?flattrss_redirect&amp;id=606&amp;md5=9c970df6b02e6b23361f1069858ac3b0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.markdot.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Mystische Erfahrungen mit Twitter</title>
		<link>http://blog.markdot.com/mystische-erfahrungen-mit-twitter/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Apr 2012 18:56:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[markdot]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich las kürzlich mal wieder in einem Buch von einem meiner Lieblings-Philosophen, Alan Watts, über die Illusion des Ich &#8211; naja, der Mensch lebt ja bekanntlich nicht vom Brot allein&#8230; Alan Watts plädiert darin für ein grundlegend neues Verständnis unserer Existenz. Das Buch wurde 1966 geschrieben, also kurz vor der Erfindung des Internets. Genau vierzig [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.philippkeusen.com/"><img class="size-medium wp-image-695 alignleft" title="Tramkabel-Netz" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/04/Tramkabel-Netz-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a></p>
<p>Ich las kürzlich mal wieder in einem Buch von einem meiner Lieblings-Philosophen, <a href="http://alanwatts.com/" target="_blank">Alan Watts</a>, über die <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442217172/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=idomethod-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3442217172" target="_blank">Illusion des Ich</a> &#8211; naja, der Mensch lebt ja bekanntlich nicht vom Brot allein&#8230;</p>
<p>Alan Watts plädiert darin für ein grundlegend neues Verständnis unserer Existenz. Das Buch wurde 1966 geschrieben, also kurz vor der Erfindung des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Internet" target="_blank">Internets</a>. Genau vierzig Jahre später, am 21. März 2006, wurde der erste Tweet durch den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Twitter" target="_blank">Twitter</a>-Mitgründer Jack Dorsey verschickt.</p>
<p>Beim Wiederlesen des Buches ist mir aufgefallen, dass viele der Anregungen von Watts mit Twitter umgesetzt und auch für ein philosophisch uninteressiertes Publikum erkennbar gemacht wurden. Wir sind heute in der Lage, mit Hilfe von Twitter eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mystische_Erfahrung" target="_blank">mystische Erfahrung</a> zu machen – oder vorsichtiger ausgedrückt: zu erahnen.</p>
<p>Watts bezieht sich auf die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Vedanta" target="_blank">Vedanta</a>, eine 2’800-jährige Richtung der indischen Philosophie. Deren Grundanliegen besteht darin, durch Versuche und Erfahrungen die Illusion zu zerstören, der Einzelne sei ein isoliertes Ich. Letztlich ist alles eins und untrennbar miteinander verbunden. Das können wir im Internet ganz deutlich erleben. Was immer wir tun, wir tun es zwangsläufig im Netz. Alles hängt mit allem Zusammen. Bewegungen (Movements) und Hypes (mehr dazu habe ich <a href="http://blog.markdot.com/hype/" target="_blank">hier</a> geschrieben) entstehen, weil das Netz es so will. Überdies, das zeigt uns beispielsweise Derek Sivers in seinem sehenswerten <a href="http://www.ted.com/talks/lang/en/derek_sivers_how_to_start_a_movement.html" target="_blank">Ted-Talk</a>, wird die Rolle des Erzeugers eines Hypes, des Leaders, massiv überschätzt. Sievers argumentiert sehr anschaulich, dass es erst die Anhänger sind, der einen „einsamen Irren“ zu einem Leader machen. Es ist nicht der Leader, der eine Bewegung verursacht, es sind die Anhänger. Auch hier ist es also nicht das isolierte Ich, dass etwas bewirkt (auch wenn dass all die Internet-Stars gerne hätten), sondern die Gesamtheit.</p>
<p>Twitter generiert immer wieder Hypes und zeigt damit immer wieder, dass dafür nicht jemand alleine verantwortlich sein kann, sondern Twitter insgesamt, alle Twitterer zusammen. Und solche Hypes haben durchaus Sprengpotential, wie man das im Iran 2009 oder im arabischen Frühling 2011 sehen konnte.</p>
<p>Watts argumentiert weiter, dass wir mit unserer bewussten Aufmerksamkeit die Welt fragmentieren. Gemäss Vedanta ist alles Eins, aber wir zerlegen sie fortwährend in getrennte Dinge, Ereignisse, in ursächliche Zusammenhänge. Wir wählen dazu aus, was uns interessant und wichtig erscheint und benennen diese Dinge dann. Unsere bewusste Aufmerksamkeit ist deswegen gleichzeitig Ignoranz. Sobald wir die bewusste Aufmerksamkeit auf etwas richten, blenden wir dabei (zwangsläufig) ganz viele andere Sachen aus. Wo ist das augenfälliger als auf Twitter? Die dort in jedem Augenblick publizierte Fülle an Tweets kann gar nicht in ihrer Gesamtheit erfasst werden, man muss auswählen und bezeichnen. Letzteres macht man auf Twitter mit dem Hashtag #.</p>
<p>Damit wird klar, dass Gegensätze bloss unterschiedliche Ansichten derselben Sache sind. Ohne Ignoranz kann es keine Aufmerksamkeit geben – ohne Dunkel kein Licht, ohne Geräusche keine Stille und ohne Tod auch kein Leben.</p>
<p>Twitter als zugespitztes Beispiel des World Wide Web wird also zur Religion der westlichen Welt im beginnenden dritten Jahrtausend. Und die Bibel dieser Religion ist das Smartphone. Es verkündet Wahrheit und Sinn. Was andere Kulturen mit der Religion geschafft haben, das schafft unsere Kultur die Wissenschaften und die Technik, deren populärer Höhepunkt das World Wide Web, betrachtet durch ein Smartphone ist.</p>
<p>Überflüssig zu erwähnen, dass ich das Buch von Watts mit der <a href="http://www.amazon.com/gp/feature.html?ie=UTF8&amp;docId=1000493771" target="_blank">Kindle-App</a> auf meinem Smartphone gelesen habe&#8230;</p>
<p style="text-align: center;">Wir unterliegen eben schon<br />
Einer grossen Illusion<br />
Und glauben unser &#8218;Ich&#8216; getrennt<br />
Vom Erdenrund und Firmament.</p>
<p style="text-align: right;">17/52</p>
 <p><a href="http://blog.markdot.com/?flattrss_redirect&amp;id=688&amp;md5=d05700a7fe781ab7c27d0604df5210e6" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.markdot.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Die vierte Dimension</title>
		<link>http://blog.markdot.com/die-vierte-dimension/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 Apr 2012 18:11:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[markdot]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wirklichkeit?!]]></category>
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		<category><![CDATA[Internet]]></category>
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		<description><![CDATA[Vor der Erfindung der Schrift und des Alphabetes lebt der Stammesmensch in einer rein mündlichen, akustischen und damit mystischen Welt. In einer solchen Welt ist alles im Fluss, so eine Welt kann man nicht festhalten. Geräusche und Töne bestehen nur in der Zeit und können nicht &#8222;eingefroren&#8220; und aufbewahrt werden, wie das für ein Bild [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/04/4te-Dimension.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-654" title="4te Dimension" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/04/4te-Dimension-300x298.jpg" alt="" width="300" height="298" /></a>Vor der Erfindung der Schrift und des Alphabetes lebt der Stammesmensch in einer rein <strong>mündlichen</strong>, akustischen und damit mystischen Welt. In einer solchen Welt ist alles im Fluss, so eine Welt kann man nicht festhalten. Geräusche und Töne bestehen nur in der Zeit und können nicht &#8222;eingefroren&#8220; und aufbewahrt werden, wie das für ein Bild möglich ist. Die Welt und die Erfahrung derselben ist zu dieser Zeit also, könnte man sagen, „eindimensional“. Alles ist in der Gegenwart, alles ist im Fluss, alles ist Prozess. Diese Erfahrungsdimension ist gekennzeichnet durch die Unmittelbarkeit und die Gleichzeitigkeit. In der heutigen Zeit kennen wir diese Art der Erfahrung vor allem von Cocktailpartys und Familienfeiern.</p>
<p>Mit der Erfindung der Schrift und des Alphabetes kommt der Sehsinn dazu. Noch immer ist alles im Fluss, also akustisch, aber es ist möglich, bestimmte Gegebenheiten festzuhalten, aufzuschreiben und damit aufzubewahren. Die beiden Welten hängen noch eng zusammen. In der Antike und im Mittelalter heisst lesen beispielsweise laut lesen: Man liest mit den Ohren. Die rechte Hirnhälfte, die akustisch und sequentiell ist, wird nach und nach mit der linken, der visuellen und räumlichen ergänzt. Zum mündlichen Raum kommt also mit der <strong>Schriftlichkeit</strong> die zweite „Erfahrungsdimension“ des visuellen Raumes hinzu. Heutzutage pflegen wir diese Art der Erfahrung mit Post-it-Zettelchen.</p>
<p>Mit der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert tritt lautes Lesen nach und nach in den Hintergrund. Man neigt zunehmend dazu, Lippenbewegungen und Murmeln beim Lesen als Halbbildung zu interpretieren. Der Sehsinn wird zum zentralen Sinn. Wissen ist kein Prozess mehr, sondern ein Produkt, eben ein Buch, das man besitzen kann. Die Idee der <a href="http://blog.markdot.com/gutenberg-klammer-und-copyright/">geistigen Urheberschaft</a> entsteht in dieser Zeit. Die Tragbarkeit des Buches trägt zudem zur Individualisierung bei. In der Renaissance beginnt sich die perspektivische Darstellung in der Malerei durchzusetzen. Es wird üblich, einen Standpunkt zu haben, wörtlich und im übertragenen Sinne. Der Erfahrungsraum wird also „dreidimensional“: Neben dem Hören und Sehen kommt in der <strong>gedruckten</strong> Welt der eigene Standpunkt hinzu. Wir pflegen auch heute, leicht angepasst, die gedruckte Erfahrungswelt noch: Man denke an Hochzeits- oder Geburtskärtchen, wo man nach aussen einen (neuen Standpunkt) bezieht, als Ehegatten oder Eltern.</p>
<p>Gegenwärtig sind wir, nach der mündlichen, der schriftlichen und der gedruckten in der vierten Erfahrungsdimension angekommen, der <strong>elektrischen</strong>. Diese schliesst die vorherigen drei Dimensionen mit ein: Der eigene Standpunkt, der es einem erlaubt, die Unmittelbarkeit des akustischen Raumes primär visuell wahrzunehmen. Die drei bekannten Dimensionen „krümmen“ sich jetzt in eine neue Richtung:</p>
<p>Im Internet lesen wir nicht mehr linear, wie das in der gedruckten Erfahrungsdimension der Fall war. Dank Hypertext hüpfen wir von Fragment zu Fragment. Im Internet werden geschriebene Texte also tendenziell so wahrgenommen, wie das bin anhin für mündlich überlieferte Texte galt. Das geschriebene Internet ist eine Welt der Gleichzeitigkeit und der Unmittelbarkeit, beides Eigenschaften einer akustischen Welt.</p>
<p>Auch der eigene Standpunkt bekommt eine völlig neue Qualität. Die physische Welt ist überlagert von einem virtuellen Layer. Diese virtuelle Welt ist aber völlig individualisiert. Während wir unsere physischen Erfahrungen untereinander abgleichen können, ist das in der virtuellen Welt nicht mehr möglich. Jeder ist gefangen in seiner <a href="http://blog.markdot.com/google-glauben-ist-sehen/">eigenen Bubble</a>, die ihm nur das zeigt, was in seiner Welt passt.</p>
<p>Wir sind also gegenwärtig in einem Erfahrungs-Hyperraum in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/4D" target="_blank">vierten Dimension</a>. Der Vergleich mit den Dimensionen ist passend, denn die vierte Dimension kann man sich nicht richtig vorstellen. Und was im Moment mit unserer Erfahrungswelt passiert, das verstehen wir auch (noch?) nicht. Aber wir haben eine Ahnung davon, genauso, wie wir auch eine Ahnung von einem 4-dimensionalen Objekt haben können:</p>
<p>Die erste Dimension ist die Linie. Die zweite Dimension ist die Fläche, die dritte der Würfel. Und die vierte Dimension, das ist der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tesserakt" target="_blank">Tesserakt</a>. Ein 4-dimensionaler Würfel sozusagen. Man kann ihn nicht darstellen, weil uns dazu eine Dimension fehlt, aber man kann ihn erahnen, indem man ihn auf eine Fläche projiziert. Und so richtig lebendig wird er, wenn er dazu noch rotiert. Ein Würfel, der rotiert, tut das um eine Achse. Ein Tesserakt, der rotiert, tut das um eine Fläche – logisch, eine Dimension mehr! Und das sieht dann so aus:</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tesserakt"><img class="size-full wp-image-632  aligncenter" title="Tesserakt01" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/04/Tesserakt01.gif" alt="" width="150" height="150" /></a></p>
<p>Oder so, wenn der Tesserakt sogar um zwei Flächen rotiert:</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tesserakt"><img class="size-full wp-image-634 aligncenter" title="Tesserakt02" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/04/Tesserakt02.gif" alt="" width="150" height="150" /></a></p>
<p>Diese beiden Animationen eignen sich sehr gut, um über unsere gegenwärtige Erfahrungs- und Erlebniswelt, wo wir ebenfalls die vierte Dimension betreten haben, zu meditieren und gedanklich <a href="http://hypercube.milosz.ca/">herumzuspielen</a>.</p>
<p>Allenfalls kann es für das Verständnis hilfreich sein, wenn man sich die Gedanken nach einer rauschenden Cocktailparty macht&#8230;</p>
<p style="text-align: center;">An Cocktailpartys redet man,<br />
Auf Post-it&#8217;s schreibt man&#8217;s auf sodann,<br />
Und druckt die eig&#8217;ne Position.<br />
Und jetzt? Die vierte Dimension!</p>
<p style="text-align: right;">14/52</p>
<p style="text-align: left;">Literatur:</p>
<ul>
<li>Backer Dirk, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518294563/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=idomethod-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3518294563" target="_blank">Studien zur nächsten Gesellschaft</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=idomethod-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3518294563" border="0" alt="" width="1" height="1" /></li>
<li>McLuhan Marshall, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3943330001/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=idomethod-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3943330001" target="_blank">Die Gutenberg-Galaxis: Die Entstehung des typographischen Menschen</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=idomethod-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3943330001" border="0" alt="" width="1" height="1" /></li>
<li>Ong Walter J., <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0415281296/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=idomethod-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=0415281296" target="_blank">Orality and Literacy (New Accents)</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=idomethod-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=0415281296" border="0" alt="" width="1" height="1" /></li>
</ul>
 <p><a href="http://blog.markdot.com/?flattrss_redirect&amp;id=631&amp;md5=baaf0cb1d5a506106c8288cbd8234a1b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.markdot.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Es ist (nicht) genauso, wie es scheint</title>
		<link>http://blog.markdot.com/es-ist-nicht-genauso-wie-es-scheint/</link>
		<comments>http://blog.markdot.com/es-ist-nicht-genauso-wie-es-scheint/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 19 Feb 2012 20:40:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[markdot]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Gedanke]]></category>
		<category><![CDATA[Ich]]></category>
		<category><![CDATA[Quantenphysik]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine erste wesentliche Erkenntnis der Quantenmechanik ist, dass kleinste Partikel gleichzeitig bewegt und unbewegt sein können. Und eine zweite Erkenntnis ist, dass die erste Erkenntnis für unser tägliches Leben vollkommen bedeutungslos ist. So dachte ich wenigsten, bis ich den TED-Talk von Aaron O&#8217;Connell, Making sense of a visible quantum object, gesehen hatte. Dank O‘Connells Vortrag [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Eine erste wesentliche Erkenntnis der Quantenmechanik ist, dass kleinste Partikel gleichzeitig bewegt und unbewegt sein können. Und eine zweite Erkenntnis ist, dass die erste Erkenntnis für unser tägliches Leben vollkommen bedeutungslos ist.</p>
<p>So dachte ich wenigsten, bis ich den <a href="http://www.ted.com/talks/aaron_o_connell_making_sense_of_a_visible_quantum_object.html" target="_blank">TED-Talk</a> von Aaron O&#8217;Connell, Making sense of a visible quantum object, gesehen hatte. Dank O‘Connells Vortrag habe ich erkannt, dass die Quantenmechanik sehr wohl einen wesentlichen Einfluss auf mein tägliches Leben hat. Allerdings anders, als ich das erwartet hätte.</p>
<p><a href="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/02/Fahrstuhl.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-570" title="Fahrstuhl" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/02/Fahrstuhl.jpg" alt="" width="203" height="204" /></a>Beginnen wir mit einem Beispiel: Wenn wir Fahrstuhl fahren, was machen wir dann? Kommt drauf an, oder? Darauf nämlich, ob wir alleine sind oder nicht. Wenn wir nicht alleine sind, dann gucken wir erfahrungsgemäss an die Decke oder starren ein Loch in die Wand. Wir stehen also möglichst ruhig, unauffällig und still da. Wenn wir aber alleine sind, dann ist das etwas ganz anderes. Da können wir die Garderobe richten, in der Nase bohren, Lockerungsübungen machen. Oder auch einfach ganz still stehen. Wenn wir also unbeobachtet sind, dann bewegen wir uns völlig frei und von ausserhalb des Fahrstuhls ist nicht erkennbar, was wir drinnen machen.</p>
<p>So geht es auch den quantenphysikalischen Partikeln. Die bewegen sich frei und völlig unbekümmert, hüpfen hierhin und dorthin und legen sich nicht fest. Man bezeichnet das als Supraposition. Sie sind also in einem undefinierten Zustand, sie sind noch nicht festgelegt. Erst dann, wenn sie beobachtet werden, legen sie sich fest.</p>
<p>Wenn man das auf den Fahrstuhlfahrer überträgt, der alleine unterwegs ist und sich in der Nase bohrt oder eben nicht, so ist auch er noch nicht festgelegt. Erst wenn er beispielsweis im obersten Stockwerk aussteigt und mit hohlem Kreuz und gereckter Brust den Flur hinunter schreitet und von allen Leuten respektvoll gegrüsst wird, wird für einen aussenstehenden Beobachter klar, dass es sich um den Generaldirektor handelt. Solange der Mensch alleine im Fahrstuhl ist, ist er also in einer Supraposition. Die Zeit im Fahrstuhl ist gewissermassen eine Auszeit, in der man sich selber sein kann, ohne die gesellschaftlich geforderte Rolle spielen zu müssen. Und erst das Umfeld legt fest, welche Rolle gespielt werden muss. Wenn nämlich der Herr Generaldirektor zu Hause aus dem Fahrstuhl steigt oder in einem Kaufhaus, dann nimmt er eine völlig andere Rolle ein, als am Arbeitsort.</p>
<p>Im Wechselspiel mit Beobachtern, mit anderen Menschen also und mit unserem Umfeld, wird fest gelegt, wer wir sind. Aus der Verbindung mit allen Dingen und Menschen um uns herum ergibt sich unser Sein. Es wird uns also weder von aussen aufgezwungen noch sind wir alleine dafür verantwortlich. Es geschieht im Wechselspiel.</p>
<p>In einem Wechselspiel ist aber alles möglich. Das Eine und dessen Gegenteil. Und wenn wir unsere Leben mal unter diesen Voraussetzungen betrachten, dann sehen wir, dass das in allen Bereichen so ist:</p>
<p>Die Geschichte der Wissenschaft ist voller Beispiele: Der Übergang vom geo- zum heliozentrischen Weltbild beispielsweise. Man nennt solche Wechsel auch Paradigmenwechsel und sehr oft bedeuten sie eine Umkehr ins Gegenteil. Oder, um mit Hegel zu sprechen: Jede These ruft nach einer Antithese. Die daraus resultierende Synthese wird ihrerseits zur neuen These, damit das Spiel wieder von vorne beginnen kann.</p>
<p>Im alltäglichen Leben kennen wir aus der Interaktion mit anderen Menschen die Situation, dass etwas, was uns selber sonnenklar ist, dem oder der anderen überhaupt nicht in den Kopf gehen will. Wer verheiratet ist, weiss wovon ich rede – jedenfalls dann, wenn die Ehe den üblichen Klischees entspricht.</p>
<p>Wenn man also die Erkenntnisse aus der Quantenphysik auf unser alltägliches Leben überträgt, dann heisst das, dass alles so ist, wie es ist, weil es sich im Wechselspiel mit allem und allen anderen befindet. Dass aber, da es sich um eine Wechselspiel handelt, es ebenso gut genau andersrum sein könnte.</p>
<p>Wir sind nur dann festgelegt, wenn wir davon ausgehen, dass wir es sind. Wovon wir ausgehen hängt auch davon ab, was wir denken, dass andere, Beobachter sozusagen, von uns erwarten. Und dann wird es je nach dem ein Zirkelschluss oder eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Denn natürlich können wir das Wechselspiel beeinflussen. Genauso, wie das quantenmechanische Partikelchen – aber das hat die Quantenphysik noch nicht heraus gefunden <img src="http://blog.markdot.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif" alt=";-)" class="wp-smiley" /></p>
<p style="text-align: center;">Es ist genauso, wie es scheint,<br />
Und ganz genau auch wieder nicht.<br />
<span style="line-height: 24px;">Egal, wie fest man etwas meint:</span><br />
<span style="line-height: 24px;">Es gibt die gegenteil’ge Sicht!</span></p>
<p style="text-align: right;"><span style="line-height: 24px;">7/52</span></p>
 <p><a href="http://blog.markdot.com/?flattrss_redirect&amp;id=569&amp;md5=d7f8a897a0a27b4b7a98802e7ac46936" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.markdot.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Über das Lernen und das Recht auf Vergessen</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:11:00 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Liste]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
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		<category><![CDATA[Hirn]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
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		<description><![CDATA[Gedanken zur EU-Forderung nach einem „Recht auf Vergessen“ im Internet. Das Internet wird gelegentlich mit einem weltumspannenden Hirn verglichen. Es zumindest als Gedächtnis der Menschheit zu bezeichnen ist naheliegend. Und von da ist es nur noch ein kleiner Schritt, auch die Lerngewohnheiten des Internets mit denen des menschlichen Hirns zu vergleichen. Lernen heisst nach landläufiger [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Gedanken zur EU-Forderung nach einem „<a href="http://www.google.ch/search?aq=f&amp;sourceid=chrome&amp;ie=UTF-8&amp;q=recht+auf+vergessen#q=recht+auf+vergessen&amp;hl=en&amp;newwindow=1&amp;source=lnms&amp;ei=9s0uT-62EsaA-waf1qH-DQ&amp;sa=X&amp;oi=mode_link&amp;ct=mode&amp;cd=1&amp;ved=0CCAQ_AUoAA&amp;bav=on.2,or.r_gc.r_pw.r_cp.,cf.osb&amp;fp=e23112199fdcb284&amp;biw=1362&amp;bih=607" target="_blank">Recht auf Vergessen</a>“ im Internet.</em></p>
<p><a href="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/02/forget-David.jpeg"><img class="alignleft size-medium wp-image-550" title="forget David" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2012/02/forget-David-224x300.jpg" alt="" width="224" height="300" /></a>Das Internet wird gelegentlich mit einem weltumspannenden Hirn verglichen. Es zumindest als Gedächtnis der Menschheit zu bezeichnen ist naheliegend. Und von da ist es nur noch ein kleiner Schritt, auch die Lerngewohnheiten des Internets mit denen des menschlichen Hirns zu vergleichen.</p>
<p>Lernen heisst nach landläufiger Ansicht, im Kopf ein Gedankengebilde bauen, eine mentale Repräsentation des Lernstoffes. Und Vergessen ist dann der Prozess, bei dem dieses Gebäude wieder zerfällt. Robert Bjork, Director des UCLA Learning and Forgetting Labs und Professor für Psychologie, sagt in einem <a href="http://www.wired.com/geekdad/2012/01/everything-about-learning/" target="_blank">Wired Artikel</a>, häufig sei das genaue Gegenteil der Fall. Wenn wir etwas lernen, so Bjork, dann vergessen wir das tatsächlich nie mehr. Vielleicht können wir uns nicht mehr an die Telefonnummer unseres besten Freundes aus der Kindheit erinnern. Bjorks Forschung hat aber gezeigt, dass falls wir an diese Nummer erinnert würden, wir sie viel schneller und besser wieder behalten können, als eine andere, neue Telefonnummer.</p>
<p>Das menschliche Hirn verfügt also über unlimitierten Speicherplatz. Falls wir aber tatsächlich alles aktiv behalten würden, würde uns das massiv verlangsamen. Wir „vergessen“ deshalb beispielsweise Telefonnummern, die wir nicht mehr benötigen, um den Zugriff auf aktuelle Nummern zu beschleunigen. „Vergessen“ heisst aber nicht, dass das Wissen  nicht mehr im Kopf wäre, es heisst bloss, dass der Zugriff darauf momentan nicht, oder nicht so gut, möglich ist.</p>
<p>Auch das Internet hat unlimitierten Speicherplatz. Die global verfügbare Datenmenge verdoppelt sich etwa alle 1.5 Jahre. Dabei versteht sich von selber, dass ein grosser Teil dieser Datenmenge Müll ist. Und gemessen an dem mich interessierenden Teil ist sogar das aller-allermeiste auf dem Internet Informationsmüll. Die Kunst besteht nun darin, das Internet dazu zubringen, sich bloss an das relevanten Wissen zu „erinnern“. Mit anderen Worten muss ich das für mich relevante Wissen aus dem Datenhaufen Internet fischen. Üblicherweise macht man das mit Suchmaschinen. Üblicherweise heisst diese Suchmaschine Google. Und das hat einen guten Grund!</p>
<p>Google hat nämlich als erste erkannt, dass man die Relevanz einer Webseite nicht feststellen kann, wenn man nur diese eine Webseite anschaut und beispielsweise die Häufigkeit eines bestimmten Begriffes zählt oder feststellt, ob der gesuchte Begriff im Titel, am Anfang oder Ende oder bloss in den Fussnoten des Textes vorkommt. Die Relevanz einer Webseite ergibt sich vielmehr aus dem Gesamtzusammenhang: Google begann damit, die Links zu zählen, die auf eine Webseite zeigen. Je mehr Links auf eine Webseite zeigen, desto relevanter ist sie.</p>
<p>Google hat also erkannt, dass das Internet ein Abbild des menschlichen Gehirns ist. Auch im Hirn wird Wissen gespeichert. Und wir behalten diejenigen Wissensinhalte aktiv im Gedächtnis, die mit möglichst vielen anderen Wissensinhalten verknüpft sind. Relevante Wissensinhalte sind also die, die in unserem Hirn durch möglichst viele Synapsen mit anderen Wissensinhalten verbunden sind.</p>
<p>Wenn auf dem Internet eine Webseite an Relevanz verliert, dann zeigen immer weniger Links auf sie. Die Webseite bleibt erhalten, es wird bloss immer schwieriger, sie zu finden. Und so passiert es auch in unserem Kopf. Das Wissen bleibt immer erhalten, bloss der Zugriff, das Erinnern, wird bei „vergessenen“ Inhalten erschwert.</p>
<p>Das menschliche Hirn kennt noch eine andere Form des Vergessens: Traumatische, unangenehme oder peinliche Situationen können verdrängt werden. Weil man es nicht erträgt, sich daran zu erinnern, „vergisst“ man diese Situationen. Wenn die verdrängten Erlebnisse unverarbeitet sind, so das psychologische Küchenwissen, dann sind diese Inhalte eine tickende Zeitbombe. Irgendwann holen sie einem ein.</p>
<p>Die EU fordert nun ein „Recht auf Vergessen“ im Internet. Sie meint damit aber nicht das über längere Zeit langsame Verschwinden von Links im Internet. Nein, was die EU fordert ist die Möglichkeit eines proaktiven Vergessens von Inhalten auf dem Internet. Definitives Vergessen, eben Löschen, geht aber weder im Hirn noch im Netz. Das richtige Wort wäre „Verdrängen“, gefordert wird nämlich vielmehr ein „Recht auf Verdrängen“.</p>
<p>Die Möglichkeit des Verdrängens per Gesetzt im Internet einführen zu wollen ist eine schlechte Idee. Dann wie im Hirn schafft man sich damit auch im Netz keine Lösung – im Gegenteil! Daten, die „gelöscht“ wurden, werden durch diesen Vorgang nämlich plötzlich viel interessanter und damit werden „verdrängte“ Inhalte auch im Netz zu einer Zeitbombe&#8230;</p>
<p style="text-align: center;">Sich alles merken wär&#8216; vermessen,<br />
Es braucht zum Wissen das Vergessen.<br />
Es löschen geht nicht, trotz anstrengen,<br />
Was höchstens geht ist das Verdrängen!</p>
<p style="text-align: right;">5/52</p>
<p>&nbsp;</p>
 <p><a href="http://blog.markdot.com/?flattrss_redirect&amp;id=544&amp;md5=d2f2452f4c7d878acda773c65b5c575d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.markdot.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Das Fahrstuhlknopf-Orakel</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Apr 2011 18:07:20 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Dass der Türschliessknopf fast völlig abgewetzt, der Knopf zum Offenhalten der Türe jedoch praktisch unbenutzt ist, lässt tief in die Psyche der Benutzer dieses Fahrstuhls blicken. Offenbar hat man es in diesem Haus eilig. Offenbar sind Rücksicht, Anstand und Nettigkeiten keine Eigenschaften, auf die hier Wert gelegt wird. Ankommen ist wichtiger als unterwegs sein. Ich [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2011/04/Fahrstuhlknopf2.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-363" title="Fahrstuhlknopf" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2011/04/Fahrstuhlknopf2-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Dass der Türschliessknopf fast völlig abgewetzt, der Knopf zum Offenhalten der Türe jedoch praktisch unbenutzt ist, lässt tief in die Psyche der Benutzer dieses Fahrstuhls blicken. Offenbar hat man es in diesem Haus eilig. Offenbar sind Rücksicht, Anstand und Nettigkeiten keine Eigenschaften, auf die hier Wert gelegt wird. Ankommen ist wichtiger als unterwegs sein. Ich bin wichtiger als die anderen.</p>
<p>Das Bild stammt aus dem Fahrstuhl eines Bürogebäudes. Man könnte wohl in irgend ein Bürogebäude gehen und würde dasselbe Phänomen vorfinden: Der Knopf zum Schliessen der Türe ist der meistbenutzte Knopf.</p>
<p>Es wäre auch anders denkbar, dass nämlich der Offenhalten-Knopf der meistbenutze wäre, weil dauernd jeder auf jemanden wartet, mit dem sich die Fahrstuhlfahrt kurzweiliger gestalten lässt. Oder um noch schnell etwas fertig beschwatzen zu können, bevor der Fahrstuhl weiter fährt.</p>
<p>Nur: ein solches Bürogebäude kenne ich nicht.</p>
<p>Der Fahrstuhlknopf auf dem Bild ist mir übrigens deshalb aufgefallen, weil ich ihn wegen der abgewetzten Farbe im schummrigen Fahrstuhllicht nicht sofort fand. Natürlich wollte ich die Tür nur deshalb möglichst schnell schliessen, um den Fahrstuhl umgehend wieder anderen potenziellen Benutzern zur Verfügung zu stellen. Aus Rücksicht, Anstand und Nettigkeit also!</p>
 <p><a href="http://blog.markdot.com/?flattrss_redirect&amp;id=358&amp;md5=5b5d6eb306fe898964536cf7665dbb0c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.markdot.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Wirklichkeit &#8211; Teil 1</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 08:15:13 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Zu Fragen, was die Realität sei, scheint müssig. So wie ein Fisch einfach im Wasser lebt, ohne es erklären zu müssen, so schwimmen wir gleichsam in der Realität. Aber im Gegensatz zum Wasser ist die Realität, die uns umgibt, begreifbar: Der Stuhl auf dem ich sitze, das Fenster, aus dem ich schaue, die Strasse, das [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Zu Fragen, was die Realität sei, scheint müssig. So wie ein Fisch einfach im Wasser lebt, ohne es erklären zu müssen, so schwimmen wir gleichsam in der Realität. Aber im Gegensatz zum Wasser ist die Realität, die uns umgibt, begreifbar: Der Stuhl auf dem ich sitze, das Fenster, aus dem ich schaue, die Strasse, das Haus, der Wald. Alles ist fass- und damit begreifbar.</p>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-151" title="UnderTheSea (c) philippkeusen.com" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2010/09/UnderTheSea-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" />Forschungen in Physik und insbesondere in der Quantenphysik zeigen nun aber, dass diese Realität gar nicht so fassbar ist, wie wir meinen. Die seit den alten Griechen dauernde Suche nach den kleinsten Teilchen war nämlich bislang erfolglos. Nach den zuerst theoretisch vermuteten und dann praktisch nachgewiesenen Atomen, die ihrerseits aus Atomkern und darum herum kreisenden Elektronen bestehen, war die Suche nach den kleinsten Teilchen nicht zu Ende. Immer kleinere Teilchen wurden gefunden, die sich immer merkwürdiger verhielten. An einem bestimmten Punkt konnte selbst die bis anhin gebräuchliche Trennung zwischen einem Teilchen und einer Welle nicht mehr aufrecht erhalten werden.</p>
<p>Die Welle, also die Art und Weise, wie beispielsweise Licht sich ausbreitet, galt als Gegenspieler zu den Teilchen. Im subatomaren Bereich jedoch verschmelzen die beiden Formen komplett. Ob etwas als Teilchen oder als Welle wahrgenommen wird, wird vom Beobachter bestimmt.</p>
<p>Auf der Ebene der Sprache werden die Teilchen eher mit Substantiven, Wellen eher mit Verben beschrieben. Die Realität besteht aus Teilchen, und damit aus Substantiven. Das deutsche Wort für Realität, Wirklichkeit, enthält das Wort wirken. Interessant ist das vor allem deshalb, weil wirken ein Verb ist. Und Verben, so meinen wir, sind nicht begreifbar, weil sie nicht stofflich sind. Könnte es aber nicht sein, dass das, was die Wirklichkeit im Innersten ausmacht, ein Verb ist, ein Prozess, eine Tätigkeit? Eben: ein Wirken? Viele Begebenheiten, die wir durchaus der Wirklichkeit zuordnen, sind nicht-stofflicher Natur. Zum Beispiel die Liebe – lieben – als Beispiel für Gefühle, welche allesamt nicht-stofflich sind und die wir trotzdem durchaus begreifen und verstehen können<sup class='footnote'><a href='#fn-149-1' id='fnref-149-1' onclick='return fdfootnote_show(149)'>1</a></sup>.</p>
<p>Offenbar gibt es also gar nichts, zumindest keine Teilchen. Alles, was wir als real und wirklich wahrnehmen, ist in Wahrheit einfach nichts. Wenn man diesen Gedanken weiter denkt, dann könnte man zum Ergebnis kommen, dass die Trennung zwischen stofflicher und nicht-stofflicher Welt eine künstliche ist<sup class='footnote'><a href='#fn-149-2' id='fnref-149-2' onclick='return fdfootnote_show(149)'>2</a></sup>. Diese Trennung ist  in der Natur so nicht angelegt ist, trotzdem nehmen wir sie so wahr. Unsere Wahrnehmung ist eingeschränkt und weitgehend angelernt und damit veränderbar. Die Wirklichkeit entsteht im Wechselspiel von „äusseren Begebenheiten“<sup class='footnote'><a href='#fn-149-3' id='fnref-149-3' onclick='return fdfootnote_show(149)'>3</a></sup> mit unserer Wahrnehmung.</p>
<p>Die Realität besteht also im Kern aus etwas nicht be-greif-barem, sie besteht aus nichts. Was die Realität ausmacht ist ein Wirken, man müsste also treffender wohl von einer „Wirkenlichkeit“ sprechen.</p>
<p>_______________</p>
<div class='footnotes' id='footnotes-149'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-149-1'>diese Einsicht verdanke ich dem Quantenphysiker Hans-Peter Dürr, der seine Sicht der Welt eindrücklich in <span style="color: #000000;"><a href="http://www.videoportal.sf.tv/video?id=3e6d73db-06d9-4a65-bf5e-e678dc755b16" target="_blank">diesem</a> </span>Interview darlegt <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-149-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-149-2'>mehr dazu im englischen Post <span style="color: #000000;"><a href="http://blog.markdot.com/hello-world/?lang=en" target="_blank">strive for the intangible things</a></span> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-149-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-149-3'>Ich habe die Anführungszeichen deshalb gesetzt, weil wohl auch diese Trennung eine künstliche ist <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-149-3'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
 <p><a href="http://blog.markdot.com/?flattrss_redirect&amp;id=149&amp;md5=a924b3a2afd520f2a01d0524d88c6c8c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.markdot.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Du bist alles &#8211; und nichts</title>
		<link>http://blog.markdot.com/du-bist-alles-und-nichts/</link>
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		<pubDate>Thu, 19 Aug 2010 08:14:20 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Ich]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Luft, die du ausatmest, atme ich ein. Der Gedanke, den ich äussere, schwirrt in deinem Kopf herum (lies nur weiter, du wirst schon sehen  ). Soweit ist das ja ganz in Ordnung. Sobald etwas meinen Körper verlässt (Luft, Schallwellen), bin ich nicht mehr Herr darüber. Also für uns ist das in Ordnung. Für uns, [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Luft, die du ausatmest, atme ich ein. Der Gedanke, den ich äussere, schwirrt in deinem Kopf herum (lies nur weiter, du wirst schon sehen <img src="http://www.i-do-method.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif" alt=";-)" /> ).</p>
<p>Soweit ist das ja ganz in Ordnung. Sobald etwas meinen Körper verlässt (Luft, Schallwellen), bin ich nicht mehr Herr darüber. Also für uns ist das in Ordnung. Für uns, die wir ein Konzept von “Ich” im Kopf haben, welches im Grossen und Ganzen als Hautsack, der Fleisch und Knochen umschliesst, definiert werden kann. Alles,  was sich innerhalb meiner Haut befindet, darüber kann ich verfügen, ausserhalb davon ist die Aussenwelt, der ich ausgeliefert bin. Der Flügelschlag eines Schmetterlings in Hinterindien verursacht einen Gewittersturm in Westeuropa. Aber ich habe nichts damit zu tun.</p>
<p>Dieses Konzept ist falsch. Trägst du eine Armbanduhr oder ein Schmuckstück? Bist du das? Nein, das bist nicht du, das ist dein Schmuckstück, deine Uhr. – Aber der Arm, der das Schmuckstück trägt, bist das du? Nein nein, das ist dein Arm. – Und wie ist es mit dem Körper, an dem der Arm baumelt? Wieder Fehlanzeige, das ist bloss dein Körper. – Wenn wir noch einen Schritt weiter gehen, dann bist es vielleicht du, der zu mir spricht, der mir antwortet? Nein, das ist bloss deine Stimme, sind bloss deine Worte, die durch deinen Mund artikuliert werden. – Ok, aber jemand muss ja dem Mund befehlen, zu sprechen, und ihm auch vorgeben, was er sagen soll. Bist das du? Nein, das sind deine Gedanken. – Und der Stolz auf das Schmuckstück? Das sind deine Gefühle.</p>
<p><a href="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2010/08/chime.jpg"><img class="size-medium wp-image-82 alignleft" title="chime (c) philippkeusen.com" src="http://blog.markdot.com/wp-content/uploads/2010/08/chime-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Ja aber wo ist des denn, dieses “Ich”? Huhuh? Atmest Du noch? Wächst du noch immer deine Haare, schlägst du dein Herz? Siehst du, was hier steht? Ich meine, ist das etwas, was du <em>machst</em>? Organisierst du das funktionieren deiner Augen? Kümmerst du dich um deine Atmung, deine Gefühle, deine Gedanken? Oder ist es nicht eher so, dass das alles einfach passiert? Deine Atmung, deine Gedanken, deine Gefühle, alles passiert, geschieht. So wie auch die Wellen auf dem Meer geschehen, der Sonnenaufgang und die Lawine. Der Wind geschieht heute vielleicht kühl, der Himmel passiert blau und das Meer wogend. Die Atmung geschieht flach, die Gedanken aufgewühlt. Alles ist ein riesengrosses Geschehnis, ein Happening. Und alles bist du! Alles gehört untrennbar zusammen. Es besteht kein Unterschied zwischen dem Geschehen deines Atems und dem Geschehen des Windes. Beides ist Luft, die sich bewegt.</p>
<p>Ich meine: Atmest du? Dein Atmen, dein Denken, dein Fühlen, dein Hören, dein Sehen, all das <em>machst </em>du nicht, es passiert.</p>
<p>Du kannst deine Gedanken nicht kontrollieren (oder hör mal auf zu denken!). Deinen Herzschlag auch nicht. Deine Atmung nur sehr eingeschränkt (oder atme mal für 5 Minuten nicht). Und deinen Bewegungsapparat so mehr oder weniger (Handstand? Salto?).</p>
<p>Viel zutreffender wäre: das Hirn denkt (nicht Ich denke), das Herz schlägt, das Universum bewegt sich, und ich füge mich ein. Denn nur wenn sich das Universum an der entsprechenden Stelle einzieht, kann ich meinen Arm dort ausstrecken! Sowieso brauchen wir dieses Konzept von “Ich” sehr undifferenziert. Wir sagen: mein Haus, mein Freund, meine Hose, meine Magengrube, meine Gedanken. Aber: die Luft, das Wasser, die Erdanziehung. Als ob das eine zu uns gehört, und das andere nicht. Ohne Haus und Freund könnten wir problemlos überleben, ohne Luft und Wasser jedoch nur sehr kurze Zeit.</p>
<p>Der Flügel eines Schmetterlings in Hinterindien schlägt – einen Gewittersturm tobt in Westeuropa – dein Herz schlägt – in deinem Kopf toben Gefühle. Alles passiert einfach. Für sich, miteinander, nacheinander, durcheinander. Natürlich gibt es Ursachen und Wirkungen, aber das geschieht nicht in Ketten, in Linien.  Ursache und Wirkung geschehen netzförmig. Jede Ursache ist die Wirkung mindestens einer anderen Ursache. Jede Wirkung hat also mehrere Ursachen. Und alles läuft nicht von der Vergangenheit in die Zukunft, sondern auch in die andere Richtung! (Aber davon ein andermal mehr!)</p>
<p>Nimm dich nicht so wichtig – nur so wichtig, wie du wirklich bist. Du bist Teil vom Ganzen. Das Ganze aus dem Blickwinkel eines Teils. Alles hat die Bedeutung, die du ihm gibst. Das ist alles, was du dazu beiträgst. Nicht mehr und nicht weniger.</p>
<p style="text-align: right;">(<a href="http://blog.markdot.com/bibliographie/" target="_self">mehr dazu</a> bei Alan Watts und Steve Grand)</p>
 <p><a href="http://blog.markdot.com/?flattrss_redirect&amp;id=80&amp;md5=6ae470cb923e9489a06f84cccda6f73f" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://blog.markdot.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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